Juli / August 2025
Wolpertinger
Ein genossenschaftliches Haus an der Fliegersiedlung
Bauhaus-Universität Weimar
Master
10.04.2025
Jun. Prof. Christina Köchling, Prof. Verena von Beckerath, Prof. Jörg Leeser, Avital Greenshpon
Wohnbauten
ArchiCad, Photoshop, InDesign
Im Rahmen des JOANES-Preises wurde die Aufgabe gestellt, ein zukunftsweisendes Modell für innerstädtische Nachverdichtung zu entwickeln. Auf einem idealtypischen Grundstück sollten flexible und skalierbare Entwurfskonzepte für genossenschaftlichen Wohnungsbau über Supermarktfilialen entstehen. Der Wettbewerb zielte darauf ab, Lösungen zu finden, die bezahlbaren, gemeinschaftsorientierten Wohnraum schaffen und sich zugleich an unterschiedliche städtebauliche Kontexte anpassen lassen. Zentrale Fragestellungen waren dabei: Was sind die Voraussetzungen für gute Nachbarschaft? Wie kann architektonische Gestaltung das Entstehen von Gemeinschaft fördern? Wie lässt sich ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz organisieren? Und wie können Verantwortung und Gemeinsinn der Bewohner:innen gestärkt werden? Der Wettbewerb forderte Beiträge, die diese Fragen beantworten und übertragbare Konzepte für verschiedene Standorte aufzeigen.
Unser Wettbewerbsbeitrag reagiert auf diese Anforderungen mit einem Entwurf, der die heterogenen Rahmenbedingungen auf dem Grundstück in Neu-Tempelhof aufgreift. Geprägt von der Ringbahn, lauten Straßen, dem Tempelhofer Feld sowie einer Mischung aus Reihenhäusern und Industriebauten, erfordert der Ort eine sehr spezifische Architektur, die Rückzug und städtisches Leben gleichermaßen ermöglicht. Eine leichte Drehung des Baukörpers von der Straße schafft Distanz zu den Lärmquellen, während die parallele Setzung zur Bahn den Bezug zum Quartier stärkt. Die Architektur verbindet großmaßstäbliche Elemente mit kleinteiligen Strukturen, um den Charakter der Umgebung aufzunehmen. Der Kontrast von Nord- und Südfassade spiegelt das Leben im Inneren wider.
Das Erdgeschoss wird zur sozialen Schnittstelle. Der genossenschaftliche Supermarkt, ergänzt durch Kantine, Café, Späti und Werkstatt, schafft einen lebendigen Ort der Begegnung. Ein darüberliegendes Servicegeschoss entkoppelt Markt und Wohnen funktional, bietet Raum für Fahrräder, Autos und Abstellflächen und stärkt die Selbstständigkeit beider Nutzungen. Die Wohnungen folgen dem Prinzip größtmöglicher Flexibilität: Gleich große, nutzungsneutrale Räume erlauben individuelle Aneignung. Die Küche als kommunikativer Mittelpunkt öffnet sich zum Laubengang und fördert das nachbarschaftliche Miteinander.
Die konstruktive Basis bildet ein erweiterbares Betontisch-Raster, auf dem ein Wohnriegel in Holz-Schottenbauweise ruht. Diese modulare Struktur erlaubt Anpassung an unterschiedliche Grundstücke und sichert Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Zirkularität. Standardisierte Bauteile, hoher Vorfertigungsgrad und die Möglichkeit zur sortenreinen Demontage ermöglichen eine ressourcenschonende Bauweise. Die Pufferzone entlang der Südfassade übernimmt funktionale, soziale und energetische Aufgaben: Sie reduziert Lärm, fördert Begegnungen und erweitert den Wohnraum.
Text von Henrike Gosda und Felix Iburg.