Juli / August 2025
Technische Universität Berlin
Der Traum ist -Einfamilienh-aus
Ein transformativer Umgang mit Einfamilienhausgebieten im Berliner Speckgürtel
Technische Universität Berlin
Master
05.05.2025
Architecture of Transformation, Prof. Nanni Grau
Wohnbauten
Archicad, Adobe
Nach wie vor träumen über 50% der Deutschen vom Einfamilienhaus (1). Dieser Traum spiegelt gesellschaftliche Werte, Ideale und Herausforderungen wider. Zudem machen EZFH 75% des Gebäudebestandes in Deutschland aus (2). Dies untermauert die Dringlichkeit, sich mit einem im architektonischen Diskurs bislang wenig beachteten Bestand auseinanderzusetzen. Es wirft die Frage auf, wie EFH-Gebiete zukunftsfähiger gestaltet werden können.1
Dafür wurde der sogenannte Speckgürtel Berlins und seine Potenziale genauer unter die Lupe genommen. Durch die bewegte Geschichte Berlins treffen hier verschiedenste Situationen und Typologien aufeinander. Räumlich spezifiziert sich der Entwurf schließlich auf den Übergang von Düppel (Berlin) zu Kleinmachnow (Brandenburg). Um das Entwicklungspotenzial des Gebiets gesamtheitlich zu betrachten, ist das Eingreifen in verschiedenen Maßstäben notwendig, vom Straßenraum (gelb) über den Nachbarschaftsraum (rot) bis zum Wohnraum (lila). Die Maßstäbe können vielschichtig auf spezifische Probleme reagieren.
Die Erschließung wird dabei als zentrale Stellschraube verstanden. Von der Straße bis an die Wohnungstür leitet eine alternative Erschließung anders durch das Gebiet und zieht sich wie ein neuer Layer über dieses. So entstehen im Straßenraum Orte des Zusammenkommens, ungenutzte Garagen schaffen Angebote für die Nachbarschaft während eine alternative Erschließung der Häuser neue Wohnungsgrößen und -qualitäten generiert.
Drei EFH-Typologien, Siedlerhaus, Haus in der Reihe und Bungalow, wurden untersucht und das Konzept jeweils unterschiedlich interpretiert zusammengebracht. Exemplarisch schaffen kleinere Wohneinheiten Raum für andere Lebensformen jenseits der Kernfamilie. Verschiedene Nutzungen (wie ein Café, Musikzimmer oder eine Arztpraxis) in umgenutzten Garagen erhöhen die Multifunktionalität des Gebiets. Auch auf der Straße wird Platz für Aktivität und Zusammensein angeboten. So wird sie nicht mehr rein dem Auto, sondern auch den Bewohnenden zugeschrieben. Die Maßstäbe bedingen sich stets gegenseitig und schaffen einen gesamtheitlichen Mehrwert, der alle Altersgruppen anspricht.
Um eine langfristige Entwicklung zu zeichnen, stellt die prozesshafte Herangehensweise dar, was sich verändern müsste, um bestimmte Ziele zu erreichen. Meilensteine dieses Prozesses bilden die vorangehende Vermittlungsarbeit, gefolgt von dem beschriebenen Entwurfsbild und mündend in einem perspektivischen Zukunftsbild. Dabei zeigt sich, dass architektonisches Handeln vielfältiger gedacht werden muss, mit dem Fokus raumaktivierende Potenziale dieser Gebiete hervorzuheben und sie in den Diskurs zu integrieren.
Denn der Traum eines großen Teils der Bevölkerung verdient es, ernst genommen zu werden – nicht, um ihn unreflektiert zu erfüllen, sondern um ihn durch neue Lösungen weiterzudenken.2
1 Julia Meyer, Redaktion Interhyp, Wohnraumstudie 2021, München
2 Statistisches Bundesamt,
Text von Jule Jünger und Hannah Steinborn.