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Juli / August 2026

Technische Universität München

Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

Garten mit Haus / Haus mit Garten

von Jonas Teichmann

Hochschule:

Technische Universität München

Abschluss:

Master

Präsentation:

08.04.2026

Lehrstuhl:

Professur für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege; Prof. Andreas Hild

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Vectorworks, Rhino, Photoshop, Indesing

Die Arbeit untersucht die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Einfamilienhaus des 20. Jahrhunderts und fragt, wie Schwellenräume an der Gebäudekante das Wohnen räumlich erweitern können. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der Garten zwar den wesentlichen Unterschied zum Geschosswohnungsbau bildet, jedoch häufig nicht räumlich mit dem Haus verbunden ist. Ziel der Arbeit ist daher neben der Analyse bestehender Übergänge auch die Entwicklung übertragbarer Strategien für den Umbau von Einfamilienhäusern.


Als Untersuchungsfeld dient das deutsche Architektenhaus des 20. Jahrhunderts. Anhand von 16 Wohnhäusern - von Peter Behrens Haus auf der Mathildenhöhe (1901) bis zu Werner Sobeks R128 (2000) - werden räumliche Konfigurationen untersucht, die zwischen Innen und Außen vermitteln. Im Zentrum steht der Schwellenraum als räumliche Sequenz aus Teilräumen, Blickbezügen, Überdachungen, Terrassen, Veranden und Übergangszonen. Grundlage bildet unter anderem Christopher Alexanders Forderung, die Gebäudekante als eigenen Ort auszubilden, der Innen und Außen verbindet.


Die Analyse zeigt deutliche Veränderungen im Verlauf des Jahrhunderts. Frühere Beispiele von Peter Behrens oder Hermann Muthesius entwickeln die Gebäudekante als räumlich gestaffelte Übergangszone mit hoher Tiefenwirkung. Veranden, Treppen, Brüstungen und Überdachungen erzeugen eine Abfolge von Teilräumen, die den Austritt in den Garten vorbereiten. In der zweiten Jahrhunderthälfte verschiebt sich der Fokus zunehmend auf visuelle Offenheit. Häuser von Sep Ruf, Frei Otto oder Gottfried Böhm nutzen großflächige Verglasungen und leichte Konstruktionen, wodurch intensive Blickbeziehungen entstehen, die räumliche Tiefe der Schwelle jedoch häufig reduziert wird. Im Haus R128 von Werner Sobek erscheint die Gebäudekante schließlich nur noch als präzise gesetzte Linie ohne zwischenräumliche Entfaltung.

Zur Überprüfung der Erkenntnisse werden fünf Schwellenräume exemplarisch auf ein freistehendes Wohnhaus der 1960er Jahre übertragen. Ziel ist die Entwicklung eines räumlich vielschichtigen Übergangs entlang der Südfassade, an der Wohnraum und Garten direkt aufeinandertreffen. Untersucht wird, welche räumlichen Ergänzungen notwendig sind, damit zwischen Innen und Außen eine indirekte Erweiterung des Wohnens entsteht.

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Schwellenräume nicht aus einzelnen architektonischen Elementen entstehen, sondern aus der Überlagerung mehrerer räumlicher Mittel. Erst die Verbindung unterschiedlicher Motive zu einer räumlichen Sequenz erzeugt einen Übergangsraum mit eigener Qualität. Architektur wird dabei nicht als statisches Objekt verstanden, sondern als räumlich, zeitlich und körperlich erfahrbare Konstellation. Der Schwellenraum erscheint so als eigenständiger Ort des Übergangs, der Bewegung, Wahrnehmung und Aneignung zwischen Innen- und Außenraum vermittelt.


Text von Jonas Teichmann.