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Juli / August 2026

Bauhaus-Universität Weimar

A UND B:WA(H)RE

Transformationsräume an der Magistrale

von Annika Brammer, Fynn Stellan Marz

Hochschule:

Bauhaus-Universität Weimar

Abschluss:

Master

Präsentation:

14.04.2026

Lehrstuhl:

Professur Entwerfen + Baukonstruktion, Prof. Dipl.-Ing. Johannes Kuehn; Professur Entwerfen und Wohnungsbau, Prof. Dipl.-Ing. Verena von Beckerath

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Archicad, Blender

A und B:Wa(h)re erprobt das Arbeiten mit Neu und Alt. Hierfür wird die gleiche Zielsetzung für den Bestandsumbau und den Neuling gestellt. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen entstehen zwei eigenständige Ansätze zum Umgang mit denselben Anforderungen. Die Thesis beschäftigt sich mit Dichte, Wohnformen, kommerziellen und konsumfreien Räumen, haustechnischen Anforderungen sowie klimatischen und schallschutztechnischen Herausforderungen.


Die Flurstücke Amsinckstraße 43 und 45 werden als eigenständige Grundstücksentwicklungen behandelt und zugleich architektonisch sowie städtebaulich zu einem Ensemble verknüpft. So entsteht ein funktional zusammenhängender Ort, an dem sich Wohnen, Arbeiten und öffentliche Nutzungen ergänzen. Der Bestand stärkt die vorhandene Hausgemeinschaft, während der Neubau Nutzungen aufnimmt, die im Bestand keinen Platz finden.
Im Erdgeschoss entstehen das Viertelzimmer, eine Quartierswerkstatt der Materialinitiative sowie Ausstellungsflächen für die HFBK. Ergänzt werden diese durch einen Veranstaltungssaal und Gastronomie im Neubau. Der Außenraum verbindet beide Gebäude, schafft neue Beziehungen zwischen Straße und Wasser und wird durch begrünte Freiräume zu einem Ort der Begegnung.

Der Umbau des Bestands folgt dem Prinzip des Addierens. Die vorhandene Betonstruktur bleibt nahezu vollständig erhalten und wird durch einen Anbau ergänzt. Gezielte Eingriffe schaffen neue räumliche Qualitäten, ohne den Charakter des Gebäudes zu verändern.
Das Wohnen wird anhand unterschiedlicher Strategien untersucht. Im Bestand entstehen durch das Auflegen der Decken des Anbaus auf die bestehende Brüstung Split-Level-Wohnungen. Zusammenschaltbare Einheiten und ein gemeinschaftlich nutzbarer Mittelgang fördern flexible und generationenübergreifende Wohnformen. Der Neuling entwickelt auf Basis von Minimalmaßen ein modulares Wohnsystem um einen kompakten Erschließungskern, dessen Wohnungen flexibel kombiniert oder getrennt werden können. Beide Ansätze ermöglichen Wohnformen vom Studio bis zur Clusterwohnung und zeigen, wie sich an der Magistrale vielfältige, gemeinschaftsorientierte und anpassungsfähige Wohnformen trotz klimatischer und schallschutztechnischer Herausforderungen realisieren lassen.

Die parallele Bearbeitung von Alt und Neu zeigt das gleichwertige Potenzial für zukunftsweisende, resiliente Stadtbausteine. Während der Bestand innovative Lösungen aus den vorhandenen Strukturen entwickelt, nutzt der Neubau seine größere Freiheit für ein hochflexibles Wohnsystem. Die Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung mit dem Bestand fließen in den Neubau ein und zeigen, dass der Erhalt bestehender Gebäude nicht als Einschränkung, sondern als Chance verstanden werden kann, neue Qualitäten für das Wohnen an der Magistrale zu entwickeln. Die Arbeit macht deutlich, dass die Gegenüberstellung von Umbau und Neubau kein Entweder-oder darstellt, sondern beide Strategien voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern können.


Text von Annika Brammer und Fynn Stellan Marz.