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Juli / August 2026

Fachhochschule Nordwestschweiz

Damit die Zeit nicht stehen bleibt

WHH17 - Über die Möglichkeiten einer typengerechten Transformation des ostmodernen Plattenbaubestands

von Max Kresse

Hochschule:

Fachhochschule Nordwestschweiz

Abschluss:

Master

Präsentation:

16.06.2026

Lehrstuhl:

Prof. Dominique Salathé, Prof. Dr. Erik Wegerhoff, Axel Schubert, Dr. Ing. Tom Schoper

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Archicad, Adobe Suite, Blender, Twinmotion,

Anlass für die Auseinandersetzung ist der grosse Baubestand der Nachkriegsmoderne in der Stadt Dresden. Die Stadtentwicklung ist eng mit Brüchen in der Geschichte verknüpft. Die dramatische Zerstörung der Stadt durch Bomben am 13. Februar 1945 war die Einschneidendste und wirkt bis heute nach. Von der barocken Hochkonjunktur bis zu einem sozialistisch geprägten Wiederaufbauprogramm entstand ein Palimpsest verschiedenster Zeitschichten.

Die Architektur der Dresdner Ostmoderne ist geprägt von einer strengen, auf Effizienz, Standardisierung und Schnelligkeit ausgerichteten funktionalen Bauweise. Das Wohnhochhaus (WHH) 17 (Geschosse), steht exemplarisch für diese Zeit: ein Typenbau, der mit seiner pragmatischen Struktur und Form das sozialistische Wohnungsbauprogramm widerspiegelt. Der Plattenbau (als vermeintlich gebaute Utopie) basiert auf einem Plattensortiment, begrenzt in Kombinationen und Reduktionen weniger Typen. Die Festschreibung begrenzter Möglichkeiten führt letztendlich zur Erstarrung des ursprünglich variablen Systems. (Vgl. Zinsmeister 2002: 5)

Die Herangehensweise des Bauens in den 1970er Jahren in der DDR stösst angesichts der heutigen Anforderungen an klimatische Behaglichkeit und nachhaltige Gebäudenutzung zunehmend an ihre Grenzen. Die Strategien des zeitgenössischen Umbaus zielen dabei lediglich auf Lösungen der energetischen Sanierung und "Verfreundlichung" des städtebaulichen Ausdrucks ab. Ein direktes Weiterdenken der Gebäudesubstanz kann nur aus einem gesamtheitlichen sowie kontextbezogenen Ansatz entstehen. Die gebaute Serialität der Architektur der DDR ermöglicht ein Denken als Methodik, somit kann die Aufgabe auch weitergegeben werden. Ziel ist dabei stets ein "Learning from Process".

Ziel der Arbeit ist die Transformation eines Bestandsensembles aus drei Wohnhochhäusern der 1970er Jahre. Die Gebäude wurden bereits Anfang der 2000er Jahre energetisch ertüchtigt; davor und seit der Sanierung entstanden jedoch Konflikte, die eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des Bestands hemmen. Ausgehend von einer neuen Typenlehre werden die Wohnhochhäuser als anpassungsfähige, weiterentwickelbare Strukturen verstanden. Im Mittelpunkt steht ein Umgang mit dem Bestand, der zeitgeschichtliche Schichten ablesbar hält, individuelle wie kollektive Aneignungsprozesse ermöglicht und durch ein Anpassen an die Gesellschaft begründet ist. Der Umbau soll sich durch minimale Eingriffe in die Primärstruktur auszeichnen. Untersuchungen auf verschiedenen Massstabsebenen und mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten dienen dazu, mögliche Eingriffsstrategien exemplarisch zu erproben und zu überprüfen. Ein besonderer Fokus liegt auf der städtebaulichen und freiräumlichen Einbettung der Erdgeschosszonen sowie deren Wechselwirkung mit dem öffentlichen Stadtraum. Ergänzend sollen Bauteile aus dem Rückbau der benachbarten Einkaufshalle (Typ ESK 700/850) additiv in neuen Gebäudeschichten wiederverwendet werden.


Text von Max Kresse.