Juli / August 2026
Chemieindustrie im Wandel
Instrumentarium für den Wandel des Chemparks Leverkusen
Hochschule Düsseldorf
Master
23.06.2026
Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Zeh, Prof. Jörg Leeser
Industriebauten
Rhino, Adobe Creative Suite, Twinmotion
Das Bayer-Areal beziehungsweise der heutige Chempark prägt Leverkusen seit über hundert Jahren räumlich, wirtschaftlich und infrastrukturell. Als einer der größten innerstädtischen Chemiestandorte Europas bildet das Areal eine hochspezialisierte Produktionslandschaft, wirkt jedoch gleichzeitig als räumliche Barriere zwischen Leverkusen, Köln und dem Rheinufer. Seit Jahrzehnten lässt sich ein struktureller Transformationsprozess beobachten: Gebäude werden zurückgebaut und leerstehende Hallen- oder Bürostrukturen weisen auf die schrittweise Veränderung des ehemals stark produktionsorientierten Standorts hin. Verstärkt durch die wirtschaftliche Krise der chemischen Industrie nehmen diese funktionalen Leerstellen weiter zu.
Die Arbeit versteht diesen Zustand als Ausgangspunkt einer postchemieindustriellen Entwicklung. Ziel ist der Entwurf eines räumlichen und strategischen Instrumentariums, das den langfristigen Wandel als offenen Prozess in drei Phasen begleitet. Jede Phase beschreibt dabei einen spezifischen räumlichen Zustand und kann entweder als eigenständiges Endbild oder als Grundlage für die nächste Stufe dienen. Die erste Phase aktiviert einen untergenutzten Streifen zwischen Bahntrasse und Bundesstraße. Als öffentlicher Stadtkorridor schafft dieser Bereich eine neue Verbindung zwischen Leverkusen und Köln und setzt durch gemeinschaftliche Nutzungen erste Transformationsimpulse. Die zweite Phase geht von einer Konzentration der Produktion auf den Nordteil aus, wodurch südliche Bereiche frei werden. Hier entsteht ein hybrider Stadt- und Industreraum, der bestehende Strukturen mit Forschung, Handwerk, Freiräumen und neuen Wohnformen kombiniert. Die dritte Phase widmet sich schließlich dem hochspezialisierten Kernbereich und untersucht Strategien für den Umgang mit Altlasten, technischen Infrastrukturen und den baulichen Hinterlassenschaften der Chemieindustrie.
Anstelle eines flächendeckenden Masterplans entwickelt die Arbeit ein strategisches Instrumentarium, das anhand von drei exemplarischen Untersuchungsräumen erprobt wird. Der Docker untersucht das Weiterbauen an bestehenden, robusten Stahlbetonskelett- und Bürogebäuden. Durch gezielte bauliche Ergänzungen werden neue Nutzungen integriert und versiegelte Außenräume in öffentliche Freiräume überführt. Der Coupler fokussiert Lager- und Logistikstrukturen, um Industriegebäude, Freiräume und neue Nutzungen miteinander zu verknüpfen und so hybride Räume zwischen Produktion, Wohnen und Landschaft zu schaffen. Der Releaser widmet sich hochspezialisierten Prozessanlagen sowie kontaminierten Standorten und entwickelt Strategien, wie diese Strukturen angepasst, zurückgebaut oder schrittweise aus ihrer Funktion entlassen werden können.
Zusammen bilden die Instrumente einen flexiblen Rahmen für den langfristigen Wandel des Areals.
Text von Vivienne Kaminski, Robin Nettesheim.