Juli / August 2026
Hochschule Trier
Bestand mit Zukunft
Die Umnutzung der Tabakscheune Menzingen als Ort der Erinnerung und Begegnung
Hochschule Trier
Master
02.07.2026
Dekanat Fachbereich Gestaltung, Studiengang Innenarchitektur, Prof. Dipl.-Ing. Schluppkotten
Bauen im Bestand
Graphisoft Archicad, Adobe Cloud, Adobe Photoshop
Tabaktrockenschuppen prägen als Relikte des Tabakanbaus nach wie vor das Landschaftsbild des Kraichgaus und erinnern an die einst bedeutende wirtschaftliche und soziale Rolle dessen. Als Zeugnisse dieser Zeit besitzen sie sowohl einen kulturellen als auch identitätsstiftenden Wert für ihre Gemeinden. Durch den Wegfall der Nutzung sind die auffälligen Holzlamellenbauten heute nur noch selten gut erhalten und stehen meist leer.
Die vorliegende Arbeit untersucht das Umnutzungspotenzial der Tabakscheune in Kraichtal-Menzingen. Dabei soll gleichermaßen Wert auf einen behutsamen Umgang mit dem Bestand als lebendigem Kulturdenkmal sowie auf eine sinnhafte, zukunftsorientierte Umnutzung gelegt werden.
Das neue Nutzungskonzept basiert auf den Ergebnissen einer ortsspezifischen Bedarfsanalyse sowie einer Online-Befragung und zielt darauf ab, die Tabakscheune Menzingen zum Ort der Erinnerung und Begegnung zu transformieren.
Die Tabakscheune soll als Kulturdenkmal die Geschichte des Tabakanbaus erlebbar und greifbar machen. Mit zehn Stationen können Besucher:innen mehr über den Tabakanbau bis hin zur Lufttrocknung erfahren. Die Erschließung orientiert sich dabei an den früheren Bewegungsabläufen durch das Gebäude. Das versetzte Raumkonzept erhält den luftigen Charakter des Bestands und erzeugt spannende Blickbezüge. Der Steg bildet das zentrale Bindeglied des Entwurfs, erschließt die dezentral angeordneten Räume und fungiert zugleich als Verteiler für Elektro- und Medientechnik.
Das Entwurfskonzept basiert auf den Grundbausteinen einer gemeinschaftsfördernden Architektur: Begegnung, Offenheit, Flexibilität und Aneignung. Alle Räumlichkeiten sind barrierefrei erschlossen.
Insgesamt zeigt der Entwurf, dass die Tabakscheune in Kraichtal-Menzingen ein großes Potenzial besitzt, zu einem öffentlichen Ort der Begegnung und Erinnerung weiterentwickelt zu werden. Durch die Verbindung von historischer Analyse, Standortuntersuchung, partizipativer Nutzungsfindung und theoretischer Auseinandersetzung mit den übergeordneten Themen Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umbaukultur entstand eine fundierte Grundlage für den Entwurf.
Die Tabakscheune Menzingen wird dabei nicht allein als historisches Relikt verstanden, sondern als lebendiges Kulturdenkmal. Ihre Umnutzung kann exemplarisch aufzeigen, wie ortstypische Bestandsbauten im Sinne einer neuen Umbaukultur zu Orten der Erinnerung und Gemeinschaft transformiert werden können.
Text von Emily Mayer.