Mai / Juni 2026

Technische Universität Dortmund

heterotopie im grunewald

Erweiterung des Brücke-Museums Berlin

von Meret Lo Baumann

Hochschule:

Technische Universität Dortmund

Abschluss:

Master

Präsentation:

24.03.2026

Lehrstuhl:

Lehrstuhl Gebäudetypologien, Prof. Dipl.-Ing. BDA Heike Hanada

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

ArchiCad, Adobe Photoshop, Adobe InDesign, Nano Banana Pro

Im Berliner Grunewald treffen zwei Extreme aufeinander. Das 1942 errichtete, monumentale Staatsatelier Arno Brekers als Instrument nationalsozialistischer Machtdarstellung und das 1967 von Werner Düttmann erbaute Brücke-Museum als demokratischer, naturverbundener Gegenentwurf. Die über die Jahre im Brücke-Museum entstandene Platznot erfordert nun eine bauliche Erweiterung. Die Arbeit begreift den spannungsreichen Ort als Heterotopie, als wirksamen Gegenraum, in dem sich die Widersprüche der Geschichte spiegeln und überlagern.

Doch wie lässt sich ein Ort erweitern, der von den architektonischen und ideologischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts geprägt ist? Der Entwurf sucht die Antwort in der bewussten Konfrontation und folgt dabei der Hegel'schen Dialektik. Ateliergebäude und Museum treten als These und Antithese in einen baulichen Dialog. Aus ihrem Konflikt entsteht etwas Drittes, eine Synthese. Der historische Bestand wird im Sinne Hegels negiert, bewahrt und auf eine neue Ebene gehoben. So wird konzeptionell und physisch eine Brücke zwischen den beiden Polen geschlagen.

Architektonisch manifestiert sich die Synthese als eine Fachwerkbrücke, die auf den Bestandsgebäuden ruht. Während der Baukörper auf dem Flachdach des Düttmann-Baus sanft aufsetzt, dringt er mit einer Negativfuge in das massive Volumen des ehemaligen Staatsateliers ein. Dieser Eingriff bricht die Symmetrie des Innenraumes auf und entlarvt die überhöhte Architektur als Instrument nationalsozialistischer Machtdarstellung. Die prägnanten Charakteristika beider Bauten bleiben bei dem Eingriff erhalten und werden in Szene gesetzt. Der Besucher entwickelt so ein neues Bewusstsein für den Ort und seine Geschichte.

Der Entwurf schont das Ökosystem des Waldes durch die Vermeidung neuer Flächenversiegelung. Die neu entworfene Struktur besetzt den Raum zwischen den beiden Gebäuden schwebend, ohne weitere Naturflächen im Grunewald zu versiegeln oder in den Gartenraum einzugreifen.

Der funktionale Kurzschluss der Gebäude ermöglicht die Nutzung von vorhandenen Raumreserven. So werden zum Beispiel ungenutzte Kellerkapazitäten des Kunsthauses Dahlem für den Fundus des Brücke-Museums aktiviert. Insgesamt entsteht ein synergetisches Ganzes, das die Autonomie der einzelnen Häuser nicht aufhebt.

Im Inneren des Neubaus bilden sich kontrastierende Atmosphären. Im puristischen Ausstellungsbereich wird die Kunst durch indirektes Nordlicht geschützt beleuchtet. In den Erschließungszonen an der Glasfassade bleibt das Tragwerk sichtbar und tritt in einen ständigen Dialog mit den Baumkronen. Diese Trennung setzt sich im Klimakonzept fort. Sensible Bereiche werden getrennt klimatisiert und belichtet, um optimale Bedingungen für die Nutzung zu schaffen.

Diese Arbeit formuliert einen Vorschlag für das Weiterbauen im Bestand. Mit der Brücke wird der Widerspruch des Ortes als gestalterische Kraft genutzt und eine Synthese als Ort der Kultur und Reflexion in der historischen Struktur geschaffen.

Text von Meret Lo Baumann.