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Mai / Juni 2026

Hochschule für Technik Stuttgart

RE:GEN

Ein Modellhof für ressourcenschonendes Bauen mit Regenwasser

von Lucia Victoria Kloth

Hochschule:

Hochschule für Technik Stuttgart

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

26.06.2025

Lehrstuhl:

Entwerfen im Kontext sozialer und ressourcenbewusster Gestaltung, Architektur und Gestaltung, Prof. Dipl.-Ing. Monika Joos-Keller

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Vectorworks, Photoshop

Regen wird oft als lästig empfunden - er ist grau, nass und unangenehm. Dabei birgt er ein enormes Potenzial: Etwa die Hälfte des täglich genutzten, aufwendig aufbereiteten Trinkwassers könnte problemlos durch Regenwasser ersetzt werden. Ein Potenzial, das wir angesichts zunehmender Wasserknappheit nicht länger ignorieren dürfen. 

Der ehemalige Altböllinger Hof in Heilbronn wird zu einem Lern- und Experimentierort, an dem das Potenzial von Regenwasser praktisch erprobt wird. Dafür wurden Interventionen entwickelt, die den Bestand respektieren und gleichzeitig das Potenzial des Regenwassers maximal ausschöpfen. Die großen Dachflächen der Scheunen fangen jährlich bis zu 1,6 Millionen Liter Regenwasser auf. Über bestehende Regenrohre und offene Rinnen wird das Wasser in einen Hofbrunnen geleitet, welcher die Gebäude mit Brauchwasser versorgt - etwa für die Toilettenspülung, zum Wäschewaschen, Reinigen und auch zum Händewaschen. 

Zentraler Kern des Hofes sind drei Pavillons, die jeweils konkrete Nutzungsmöglichkeiten von Regenwasser demonstrieren. Diese funktionieren bewusst autark, ausschließlich über die Schwerkraft und ohne komplexe Technik: Regenwasser wird über die trichterförmigen Dächer aufgefangen, grob gefiltert und in einem oberirdischen Wasserspeicher gesammelt. Zusätzlich werden die Pavillons über die bestehenden Regenrohre der Scheunen gespeist. Ist der Speicher voll, fließt der Überlauf in den angelegten Hofbach und das Wasser bleibt im Kreislauf. Unterhalb des Speichers wird das Regenwasser zugänglich und kann genutzt werden - etwa zum Verarbeiten von natürlichen Materialien, der passiven Kühlung oder zur sanitären Nutzung. 

Im Werkstattpavillon entsteht ein Bereich für das Verarbeiten von natürlichen Materialien wie Lehm oder Wolle. Das Abwasser gelangt in den Hofbach und durchläuft eine Pflanzenkläranlage. Im Kühlungspavillon wird Regenwasser auf perforierte Ziegel geführt, die das Wasser dank ihrer wasserspeichernden Eigenschaften bei hohen Temperaturen langsam durch Verdunstung abgeben, wodurch eine natürliche Kühlung entsteht. Dieses Prinzip soll perspektivisch in hitzebelasteten Stadtgebieten angewendet werden: als klimaaktive Struktur auf versiegelten Flächen, die lokal kühlt und öffentliche Räume reaktiviert. 

Im Pavillon für sanitäre Nutzung wird Regenwasser zunächst zum Händewaschen verwendet. Normalerweise wird dieses Wasser unmittelbar danach in die Kanalisation abgeleitet. Hier wird das anfallende Grauwasser in einem direkt unter dem Waschbecken positionierten Spülkasten gesammelt und für die nächste Toilettenspülung wiederverwendet. Ein einzelnes Händewaschen verbraucht etwa 3 Liter Wasser: ungefähr die Menge, die auch für eine wassersparende Toilettenspülung benötigt wird. Somit liefert jedes Händewaschen ausreichend Wasser für eine anschließende Spülung und das Wasser durchläuft einen zweiten Nutzungszyklus. Ziel des Hofes ist es, Regenwasser als Ressource sichtbar, nutzbar und erlebbar zu machen.

Text von Lucia Victoria Kloth.