Mai / Juni 2026
Arbeitendes Haus
Suffiziente Transformation eines Bremer Kleinsthauses
Technische Universität Wien
Diplom
29.04.2026
Hochbau und Entwerfen, Univ.Prof.in Dipl.-Arch.in Astrid Staufer & Univ.Ass.in M.A.Katharina Paschburg
Bauen im Bestand
Rhino 7, Adobe Illustrator
Angesichts der Klimakrise und wachsender Ressourcenknappheit gerät das Paradigma des Ersatzneubaus zunehmend unter Druck. Gebäude müssen künftig stärker als materielle und räumliche Ressource verstanden werden. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit das Weiterbauen im Bestand am Beispiel des Bremer Kleinsthauses - einer unscheinbaren, aber sozial und städtebaulich bedeutenden Wohnform des 19. Jahrhunderts. Im Fokus steht das Heimatviertel im Bremer Stadtteil Walle, eine ehemalige Arbeitersiedlung der Jute-Spinnerei, deren kleinteilige Häuser einst als Modell für leistbares Eigentum entstanden.
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, wie sich diese historisch gewachsenen Häuser unter heutigen Bedingungen weiterdenken lassen: Wie kann räumliche Transformation gelingen, ohne die soziale und atmosphärische Qualität des Bestands zu verlieren? Wie lässt sich Nachbarschaft stärken, ohne sie zu verordnen? Und welche architektonischen Strategien ermöglichen es, mit begrenzten Ressourcen eine hohe räumliche und soziale Qualität zu erreichen?
Die Arbeit verfolgt eine synchrone Methode, indem städtebauliche Analysen, historische Aufarbeitung des Bestands und die präzise Analyse theoretischer sowie entwerferisch-konstruktiver Referenzen in enger Verbindung mit dem architektonischen Entwurf stehen. Referenzprojekte aus Architektur und Stadtentwicklung dienen dabei als Werkzeuge, um Suffizienz nicht als Verzicht, sondern als räumliche und soziale Strategie zu begreifen.
Der daraus entwickelte Entwurf versteht Transformation als fortlaufenden Prozess statt als einmaligen Eingriff. Ausgehend von einem bestehenden Kleinsthaus entsteht ein Modell, das räumliche Erweiterung, gemeinschaftliche Nutzung und konstruktive Einfachheit miteinander verbindet. Ziel ist es, aus dem kleinen Bestand ein großzügiges Haus zu entwickeln, das den sich wandelnden Lebenssituationen seiner Bewohner:innen über die Zeit gerecht werden kann. Ergänzt wird dieser Ansatz durch einen Bedingungskatalog, der Möglichkeiten zukünftiger Anpassungen im Heimatviertel formuliert.
Die Arbeit argumentiert, dass gerade im Kleinen ein großes Potenzial für die Bauwende liegt. Das Kleinsthaus wird dabei zum Medium, um Fragen von Suffizienz, Nachbarschaft und langfristiger Transformation neu zu verhandeln - als Architektur, die nicht abgeschlossen ist, sondern Teil einer fortlaufenden Geschichte bleibt.
Text von Aurelia Goldlücke.