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Mai / Juni 2026

Technische Universität Wien

Eine Stadt. Vierzehn Häuser. Viele Menschen. Ein Block.

Transformation eines historischen Stadtblocks der Wiener Gründerzeit in einen gemeinschaftlich nachhaltigen Lebensraum.

von Marcel Martin

Hochschule:

Technische Universität Wien

Abschluss:

Diplom

Präsentation:

21.01.2026

Lehrstuhl:

Hochbau und Entwerfen, Astrid Staufer Univ.Prof.in Dipl.-Arch.in

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Archicad

Soziale Verdrängung, zunehmende Anonymisierung in der Großstadt und die Folgen des Klimawandels stellen einige der größten Probleme unserer heutigen Zeit dar. Die hier vorgestellte Arbeit zeigt an einem konkreten Beispiel exemplarisch, welche Möglichkeiten die Gründerzeitstadt zur Transformation in einen gemeinschaftlichen, nachhaltigen Lebensraum bietet. Der kleinteilige Aufbau der Stadtstruktur, welcher aktuell einer ihrer größten Nachteile für eine gemeinschaftliche Stadt darstellt, könnte zum riesen Vorteil für eine weitergehende Planung werden. Das Ansetzen an den Schnittstellen zwischen den Parzellen lässt aufgrund der entstehenden Komplexität vieler aufeinander treffender Nutzungen und Räume bisher unbedachte Möglichkeiten zur Verknüpfung der Grundstücke untereinander zu.

Die Recherche zeigt wie aus großen Flächen im Laufe der Zeit, getrieben durch wirtschaftliches Wachstum und kapitalistische Ideale, immer kleinere Parzellen wurden, die sich klar zueinander abgrenzen, da nur mit klaren Besitzgrenzen die Kapitalisierung von Grund und Boden möglich war. Ein daraus entstehender Nachteil ist mitunter die Unterbindung von Austausch und Kommunikation über die Grundstücksgrenzen hinweg, da diese meist sogar unter freiem Himmel baulich in Erscheinung treten. So unterbindet die aktuelle Architektur, die uns eigentlich einen Lebensraum bieten soll, in dem wir nachhaltig und gut leben können, die Möglichkeit ein langfristiges soziales Gefüge aufzubauen, mit dem man sich mit seinem Zuhause identifizieren kann.

 
Die Betrachtung des gesamten Blocks als kleinsten Stadtbaustein relativiert die existierenden,scharfen Grenzen innerhalb dieser Strukturen. Bauliche Eingriffe dahingehend sollten im höchsten Maße den Bestand wertschätzen und so darauf ausgelegt werden, den schon vorhandenen räumlichen Gegebenheiten zu dienen und diese miteinander zu verbinden. Mit den vorgefundenen, wiederverwendeten Materialien können entstehende Kosten gedämpft und der ökologische Fußabdruck minimiert werden. Gleichzeitig schafft man es durch die Kombination alter Räume und Materialien mit den Funktionen neuer, innerer Brücken und Strukturen, tote Räume wiederzubeleben, während der Ausdruck und das Erscheinungsbild weiterhin an die Gewohnheiten der Bewohner:innen anknüpfen.

Auch wenn das hier gezeigte Beispiel einen konkreten Eingriff darstellt, welcher in dieser Zusammensetzung mit Sicherheit einzigartig ist, so lässt sich die grundlegende Herangehensweise an diese Intervention problemlos auf jeden weiteren Block übertragen.

Text von Marcel Martin.