Mai / Juni 2026
Kollektive Räume
Haus der Parität
Technische Universität Dresden
Diplom
26.03.2026
Wohnbauten, Prof. Lott
Kulturbauten
Vectorworks, SketchUp, D5 Render, Adobe CC
Man trifft sich auf dem lebendigen Marktplatz vor der Markthalle.
Ein paar Stufen nach unten und plötzlich wird es still.
Ein Garten.
Ein paar Schritte weiter tummeln sich Menschen.
Ein Theater.
Das Haus der Parität übersetzt den paritätischen Grundgedanken der Gleichstellung in ein vielschichtiges Nachbarschaftsensemble.
Freistehend gruppieren sich die Gebäude um unterschiedliche Höfe. So entsteht kein dominierendes Zentrum, sondern ein Gefüge gleichwertiger Orte und Zwischenräume, die Nähe und Rückzug gleichermaßen ermöglichen.
Auch die Erschließung folgt diesem Prinzip. Statt eines einzigen Haupteingangs führen viele kleine und große Zugänge in das Quartier und reagieren auf unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohner- und Nutzerschaft nach Öffentlichkeit und Privatsphäre.
Die Höfe unterscheiden sich in Atmosphäre, Höhenlage und Lichtstimmung.
Jeder Raum antwortet auf seine spezifische Nutzung und schafft dabei eine eigene Form des Zusammenlebens.
So öffnet sich der Marktplatz an der Markthalle zur Haupteinflugschneise und bildet einen niedrigschwelligen Übergang in das Quartier. Im tieferliegenden Lesegarten an der Bibliothek kann man in Ruhe lesen oder mit Blick ins Grüne verweilen. Das Refugium an der Wormser Straße liegt geschützt vor Einblicken. Gedämpftes Licht und ein kleiner Garten erzeugen einen Ort des Rückzugs und der Sicherheit für hilfesuchende Menschen. Auf der Quartiersrückseite befindet sich das Wohnforum als alltäglicher Treffpunkt und Ort des Austauschs der Bewohner*innen. Der Kunsthof wirkt offen, erhält durch die seitliche Bebauung jedoch genügend Abschirmung für Veranstaltungen unter freiem Himmel mitten in der Stadt. Die Terrassierungen der eng stehenden Gebäude sorgen dafür, dass Tageslicht bis in die tief liegenden Höfe gelangt und die Zwischenräume offen und sicher wirken.
Das Ensemble besteht aus vier Hauptbaukörpern, die jeweils einem Hof zugeordnet sind. Am öffentlichen Quartierseingang spannen Kreativhaus und Haus der Gemeinschaft den Marktplatz auf. Hier befinden sich die meisten öffentlichen Nutzungen des Quartiers. An der ruhigeren Wormser Straße liegen die Wohnhäuser mit dem Frauenhaus geschützt in der Quartiersmitte.
Am Ende entsteht ein Ensemble, in dem Öffentlichkeit und Rückzug gleichermaßen stattfinden und damit Gleichberechtigung nicht nur formuliert, sondern räumlich erfahrbar gemacht wird.
Text von Ludwig Schwarz.