Mai / Juni 2026
Altern in vertrauter Umgebung
Eine Untersuchung zur Transformation Berliner Mietshäuser
Technische Universität Berlin
Master
27.04.2026
AOT Nanni Grau
Bauen im Bestand
Archicad, Adobe, Qgis, Rhino
In Berlin zeigt sich ein stiller Generationenkonflikt am Wohnungsmarkt. Junge Menschen und Familien suchen händeringend nach bezahlbarem Wohnraum, gleichzeitig leben viele ältere Menschen in Wohnungen, die längst zu groß für sie geworden sind: "Alleinlebende Ältere belegen durchschnittlich 83 m², während der bundesweite Durchschnitt bei der Hälfte der Fläche liegt." (Wilke, 2013)
Zwischen 2024 und 2040 wird sich die Zahl der Menschen ab 65 Jahren in Berlin voraussichtlich um 16 % erhöhen (vgl. Bezirksamt Mitte, 2025). Doch entsprechen die meisten Wohnungen den Anforderungen des Alters nicht. Besonders ausgeprägt ist dieses Problem in den begehrten Innenstadtlagen Berlins, wo der Gründerzeitbestand dominiert: Schmale Bäder, fehlende Aufzüge und zahlreiche Schwellen machen das selbstständige Wohnen mit zunehmendem Alter zur Herausforderung (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2024).
Dabei wären viele ältere Berliner:innen bereit umzuziehen: Drei Viertel der Berlinerinnen und Berliner ab 50 möchten möglichst bis ins hohe Alter in ihrer aktuellen Wohnung bleiben, und wenn eine Umzugsabsicht besteht, wollen mehr als 80 % auf jeden Fall in Berlin und vielfach in der bisherigen Wohngegend bleiben (Bölting u. a., 2018). Die Meisten wünschen sich, ihre letzten Lebensjahre in vertrauter Umgebung zu verbringen, in der Nähe sozialer Netzwerke, seines altbekannten Supermarkts und der Ärzt:in des Vertrauens. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Menschen über 80 Jahren (Bölting u. a., 2018, S. 10). Doch mangels geeigneter, bezahlbarer Alternativen in der Nachbarschaft können sie diesem Wunsch nicht nachkommen und sind in ihrer Wohnsituation gefangen.
Was wäre, wenn ältere Menschen durch passende Wohnbedingungen in ihrer vertrauten Umgebung altern und zugleich Wohnraum für die nächste Generation freigeben könnten? Die Aktivierung des unsichtbaren Wohnraums würde verhindern, dass immer neue Baugebiete ausgewiesen werden müssen. Die Antwort auf den demografischen Wandel liegt im Bestand.
Diese Arbeit untersucht, wie das Berliner Mietshaus umgerüstet werden kann, um selbstständiges Altern in vertrauter Umgebung zu ermöglichen, während Wohnfläche suffizient genutzt wird. Sie folgt einem Mixed Methods Design Research mit fallstudienbasierter Untersuchung eines Gründerzeitmietshauses. Grundlage bilden Literaturrecherche und leitfadengestützte Interviews mit Bewohner:innen zwischen 57 und 89 Jahren. Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie flächensuffiziente, altersgerechte und finanziell tragbare Umbaumaßnahmen im Berliner Mietshausbestand realisierbar sind, bezogen auf die Bedürfnisse, Wohnwünsche und finanziellen Möglichkeiten der Boomer-Generation.
Text von Klara Groß.