Juli / August 2026
Lights On!
Über die Weiterentwicklung eines denkmalgeschützten Klinikbestands im Zuge der Ambulantisierung
Technische Universität Braunschweig
Master
15.09.2025
Institut für Entwerfen und Baugestaltung, Prof. Dan Schürch
Bauen im Bestand
Rhino 3D, V-Ray, Adobe Photoshop, Adobe InDesign, Adobe Lightroom
Die Arbeit untersucht, wie der Klinikstandort Trachau im Zuge der Ambulantisierung in ein zukunftsfähiges Gesundheitsquartier weitergebaut werden kann.
Ziel ist die Entwicklung einer robusten Struktur, die den Bestand behutsam integriert, die medizinische Grundversorgung sichert und gleichzeitig altersgerechtes Wohnen mit therapeutischen Räumen verbindet.
Dabei soll ein Ort entstehen, der Einsamkeit vorbeugt, Identität stärkt und durch die Förderung des Wohlbefindens aktiv zur Genesung beiträgt.
Der Entwurf reagiert auf den gesellschaftlichen und medizinischen Strukturwandel am Ort Trachau.
Dieser Wandel zeigt sich vor allem in der Alterung der Bevölkerung mit zunehmendem Pflegebedarf. Gleichzeitig durchlebt die Medizin mit der Krankenhausreform 2025 einen großen Umbruch: Spezialisierte Leistungen werden in Schwerpunktzentren konzentriert und kleinere Kliniken ambulant weiterentwickelt. Im Dresdner Zukunftskonzept wird das Klinikum Friedrichstadt zum Exzellenzzentrum für stationäre Medizin, während Trachau zu einem ambulanten Zentrum mit Pflege, betreutem Wohnen und einem 24/7-Notfallzentrum transformiert werden soll.
Der Bestand wurde 1900 als Altenheim erbaut und über Jahre zum Klinikum erweitert. Etwa die Hälfte aller Kliniktypologien in Deutschland sind gewachsene Strukturen, die oft so verbaut sind, dass sie die heutigen Standards nur noch schwer erfüllen können.
Das denkmalgeschützte Ensemble liegt in einer Bauhaussiedlung und zeichnet sich durch seinen kontemplativen Innenhof mit umlaufendem Stützengang aus, der eine identitätsstiftende Wirkung besitzt. Im Kontrast dazu stehen tiefe Stichflure mit mangelhafter Belichtung wie Belüftung.
Der Bestand wird als räumliche Ressource verstanden.
Im Erdgeschoss entsteht ein medizinisches Versorgungszentrum mit ärztlichen wie therapeutischen Praxen. Darüber ordnen sich altersgerechte Wohnformen mit Pflegeangebot an, ergänzt durch Maisonettewohnungen für Auszubildende.
Das Notfallzentrum wird als Neubau an der Industriestraße positioniert, bündelt die kritische Infrastruktur außerhalb des Bestandsquartiers und wird durch ein Ausbildungshaus für Pflegekräfte ergänzt.
Der Entwurf überformt den Bestand. An den Stützengang zieht sich ein Annex, der Raum für einen variablen Wohnungsmix schafft. Dieser wird im Bestand mit Lichtkörpern verankert, welche die Bestandsräume belichten und so den Annex validieren. Die Lichtkörper sind gleichzeitig raumbildend und charakterisieren den homogenen Bestand nach außen. Der Bestandsflur wird mittels sich verschiebender Körper zu einem Begegnungsraum rhythmisiert. Die Körper sind hierbei Sanitäre und offene Küchen, umhüllen die tragende Bestandsstruktur und schaffen Entreebereiche.
Aus der Lichtführung entwickelt sich eine abgerundete Formensprache, die auf das gesamte Quartier übertragen wird. Materialität und Konstruktion inszenieren den Dialog zwischen Bestand und Ergänzung und formulieren eine subtile Strategie für ein Gesundheitswesen im Wandel.
Text von Joost Dräger.