Juli / August 2026
Aqua ad Filum
Ein Forschungs- und Produktionszentrum für die Textilherstellung aus Algen
Technische Universität Braunschweig
Master
25.03.2026
Institute for Design and Architectural Strategies (IDAS), Prof. Almut Grüntuch-Ernst
Technische Bauten
Rhino, V-Ray, Photoshop, Illustrator, InDesign
Der Bunker Valentin in Bremen wurde zwischen 1943 und 1945 als Teil der nationalsozialistischen Rüstungsproduktion für U-Boote des Typs XXI errichtet. Mit einer Grundfläche von 35.375 m² und einer Länge von 426 Metern zählt er zu den größten freistehenden Bunkeranlagen Europas. Errichtet unter dem Einsatz tausender Zwangsarbeiter, ist er heute Relikt und Erinnerungsort.
Der Entwurf versteht den Bunker nicht als abgeschlossenes Denkmal, sondern als transformierbare Ressource. Seine massive Substanz wird in ein Zentrum regenerativer Materialgewinnung überführt: einen Produktionsstandort für algenbasierte Textilien. Ziel ist es, Produktionsprozesse wieder stärker in Deutschland zu verankern und in bestehende Leerstände zu integrieren. So können bauliche Ressourcen weitergenutzt und Produktionsketten regionaler, transparenter und fairer gestaltet werden.
Die nahegelegene Weser dient als Ressource. Im Fluss kultivierte Algen werden über ein Bojenfangsystem geerntet und im Inneren des Bunkers getrocknet, extrahiert und zu Fasern verarbeitet. Die klimatische Stabilität der massiven Hülle begünstigt diese Prozesse. In Aufbauten erfolgt anschließend die Weiterverarbeitung zu Garnen und Textilien. Die räumliche Organisation folgt der materiellen Transformation, vom Wasser zur Faser, von der maschinellen Verarbeitung zur handwerklichen Fertigung.
Der Bunker gliedert sich in drei Sphären: eine Unterwelt der technischen Produktion, eine Zwischenwelt für Materialtransport und Besucherführung sowie eine Oberwelt der textilen Weiterverarbeitung. Produktions- und Besucherwege bleiben getrennt, treten jedoch über gezielte Blickbeziehungen in Dialog. So wird der Herstellungsprozess erfahrbar, ohne die Arbeitsabläufe zu beeinträchtigen.
Die Transformation basiert auf additiven und subtraktiven Eingriffen. Neue Schotten strukturieren Infrastruktur und Erschließung, während leichte Einbauten helle Arbeitsräume innerhalb der massiven Hülle schaffen. Einschnitte in die Decke bringen Licht in den Bestand und machen Materialität, Maßstab und Geschichte unmittelbar erfahrbar. Die historische Substanz bleibt lesbar und wird zugleich neu kontextualisiert.
Algen bilden die ökologische Grundlage des Projekts. Sie wachsen schnell, binden CO2 effizient und benötigen weder landwirtschaftliche Flächen noch Pestizide. Ziel ist die Entwicklung algenbasierter Biopolymere für textile Anwendungen und damit ein Beitrag zur Transformation der Textilindustrie hin zu einer bioökonomischen, nicht-fossilen Produktion. Architektur wird zum Instrument der Umdeutung, das neue Nutzungen ermöglicht, ohne die Geschichte des Ortes zu verdrängen.
Aqua ad Filum. Vom Wasser zum Faden.
Text von Vanessa Zwinger.