Juli / August 2026
La Ruine de l'Écosystème
Eine Ruine auf den Inseln von Nancy als Raum für Umweltbildung und Forschung
Karlsruher Institut für Technologie // École Nationale Supérieure d'Architecture de Strasbourg
Master
13.04.2026
Kreislaufgerechter Holzbau, T.T. Prof. Florian Kaiser / Théories et pratiques de la conception architecturale et urbaine, Dipl.-Ing. Architecte Sibylle Pöhler
Bauen im Bestand
ArchiCAD, Affinity
Das Projekt 'La Ruine de l'Écosystème' untersucht die Frage, wie ungenutzte Bestandsgebäude und Ruinen zu einer nachhaltigen Ressource für die Zukunft werden können. Demografischer Wandel, Deindustrialisierung und veränderte Lebens und Arbeitsmodelle führen dazu, dass immer mehr Gebäude ihre ursprüngliche Funktion verlieren und leer stehen und verfallen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Strategien einen zukunftsfähigen Umgang mit diesem Bestand ermöglichen.
Die Arbeit entwickelt eine Methode zur Analyse und Bewertung von Strategien im Umgang mit Bestandsgebäuden und Ruinen. Eine Bewertungsmatrix und eine Orientierungshilfe bilden die Grundlage, um Bestandsgebäude systematisch zu untersuchen und standortbezogene Potenziale, Defizite und Qualitäten zu erfassen. Ziel ist es, aus einer nachvollziehbaren Analyse eine geeignete und nachhaltige Umgangsstrategie abzuleiten.
Die Methode findet exemplarisch Anwendung an der Ruine de l'Encensoir in Nancy. Das ehemalige Wohn- und Lagerhaus liegt auf der Île du Foulon innerhalb eines geschützten Naturraums. Historische Spuren, baulicher Verfall und ein über Jahrzehnte gewachsenes Ökosystem prägen den Ort gleichermaßen und bilden den Ausgangspunkt des Entwurfs.
Aus einer umfangreichen Analyse entwickelt sich das Konzept eines Umweltbildungs- und Forschungszentrums, das Natur, Öffentlichkeit und Forschung miteinander verbindet. Eine unabhängige Holztragstruktur sichert die bestehende Ruine und ergänzt sie, ohne die historische Bausubstanz zusätzlich zu belasten. Innerhalb der erhaltenen Mauern entsteht ein neuer Baukörper, der Räume für Ausstellungen, Workshops und Forschung schafft. Der Entwurf reagiert sensibel auf die vorhandene Vegetation, minimiert Eingriffe in den Naturraum und integriert das bestehende Ökosystem als räumlich erfahrbaren Bestandteil der Architektur in Form eines zentralen Atriums.
Der Entwurf versteht die Ruine nicht als Relikt einer vergangenen Nutzung, sondern als Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung. Er zeigt, wie sich historische Substanz, ökologische Prozesse und zeitgenössische Architektur zu einer gemeinsamen Zukunft verbinden lassen.
Ziel der Arbeit ist es, einen Beitrag zu einem systematischen, nachhaltigen und kreislaufgerechten Umgang mit dem baulichen Bestand zu leisten sowie eine Orientierung für den Umgang mit Bestandsgebäuden und Ruinen, insbesondere der Ruine de l'Encensoir, zu bieten.
Text von Julia Wolfinger.