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Mai / Juni 2026

Leibniz Universität Hannover

AFTER WORK

Über die Revitalisierung ungenutzter Bürostrukturen

von Lina Wenzel

Hochschule:

Leibniz Universität Hannover

Abschluss:

Master

Präsentation:

10.02.2026

Lehrstuhl:

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre, Abteilung Entwerfen und Ressourcen, Prof. André Kempe

Rubrik:

Gewerbebauten

Software:

Archicad, Lumion, Adobe Photoshop, Trimble Sketchup, InDesign

Der Wandel der Arbeitswelt erfordert neue Strategien für den Umgang mit dem Bestand. Das Projekt untersucht die Umnutzung leerstehender Bürogebäude als Strategie nachhaltiger Stadtentwicklung. Leerstand wird nicht als Defizit, sondern als räumliche Ressource verstanden. Im Fokus stehen der Erhalt grauer Energie, die Reduktion von CO2 Emissionen und die Schaffung neuer sozialer Räume. Statt Abriss und Neubau wird der Bestand als konstruktive, räumliche und kulturelle Grundlage weitergedacht.


Ausgangspunkt der Arbeit ist das leerstehende Büro und Hafenhaus am Hein Saß Weg 38 in Hamburg Finkenwerder. Das 14 geschossige Hochhaus von 1958 steht exemplarisch für viele Bürogebäude der Nachkriegszeit: robust konstruiert, jedoch funktional überholt. Im von Gewerbe, Hafen und Wasser geprägten Umfeld treffen infrastrukturelle Isolation, Hochwassergefahr und fehlender bezahlbarer Wohnraum aufeinander. Diese Gegensätze bilden die Grundlage für eine neue städtebauliche Durchmischung.

Der Entwurf führt das Gebäude auf seine Tragstruktur zurück und entwickelt daraus eine neue räumliche Ordnung. Eine hochwassersichere Plattform im ersten Obergeschoss verbindet Hochhaus und Hafenhaus und gewährleistet auch im Hochwasserfall einen sicheren Zugang. Gemeinschaftliche Nutzungen wie Maker Space, Gemeinschaftsküchen, Seminarräume und offene Treffpunkte schaffen einen sozialen Mittelpunkt. Das geöffnete Erdgeschoss macht die bestehende Struktur erlebbar und führt den Grünraum durch das Gebäude. Die freigestellte Wendeltreppe wird räumlich wieder erfahrbar. Die Entsiegelung ehemaliger Parkplatzflächen schafft eine neue Wasserlandschaft und macht Hochwasser sichtbar und erlebbar. Ergänzt wird das Angebot durch Produktionsflächen und Veranstaltungsflächen, eine Markthalle, eine Fahrradwerkstatt sowie ein Restaurant im Hafenhaus. In den oberen Geschossen entsteht ein vielfältiges Angebot gemeinschaftlicher Wohnformen. Eine neue Wohnfassade mit Balkonen und Pflanztrögen erweitert den Wohnraum und ermöglicht eine flexible Aneignung. Das begrünte Dach dient als gemeinschaftlicher Aufenthaltsort mit Blick über Hafen und Elbe. Der Skelettbau erlaubt unterschiedliche Nutzungsszenarien vom Arbeiten über das Wohnen bis hin zu hybriden Modellen. Durch die Aktivierung vorhandener Ressourcen stärkt die Transformation die städtebauliche Resilienz des Quartiers und schafft neue Qualitäten für das Zusammenleben im Hafenraum.

Mit der Öffnung des Erdgeschosses, der Begrünung des Umfelds und der Umwandlung versiegelter Flächen in öffentliche Freiräume wird das Gebäude zum Impulsgeber für die Entwicklung des Quartiers. Das Projekt versteht Transformation als bewussten Beitrag zur ökologischen, sozialen und kulturellen Erneuerung der Stadt. Das ehemalige Bürohochhaus wird zu einem lebendigen Baustein nachhaltiger Stadtproduktion: zukunftsfähig, gemeinschaftlich und flexibel.


Text von Lina Wenzel.