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Mai / Juni 2026

Technische Universität München

Social Cultivator

Transformation einer automatischen Hochgarage in ein Zentrum für Ernährung

von David Lachermeier

Hochschule:

Technische Universität München

Abschluss:

Master

Präsentation:

01.10.2025

Lehrstuhl:

Prof. Jeannette Kuo / Professorship of Architecture and Construction

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Vectorworks, Rhino, Photoshop

Diese Masterarbeit bewegt sich am Schnittpunkt von Architektur und Städtebau und untersucht eine besondere innerstädtische Typologie São Paulos: die automatisierte Hochgarage. Zwischen 1960 und 1980 entstanden im Stadtzentrum mehr als 35 dieser Bauten - einige mit über 600 Stellplätzen und bis zu 38 Geschossen. Sie galten als effiziente Antwort auf die "Probleme" der modernen Stadt und verkörperten das autozentrierte Stadtmodell ihrer Zeit.


Heute ist diese Logik überholt. São Paulo leidet unter starkem Verkehr, ökonomische und ökologische Verschiebungen stellen das Modell zunehmend in Frage. Die Garagen stehen oft leer, liegen aber in unmittelbarer zentraler Lage. Die Pandemie hat zugleich soziale Ungleichheiten im Zentrum verschärft, wo viele Menschen in prekären Verhältnissen leben. 25 % der Brasilianer:innen haben keinen sicheren Zugang zu ausreichender Nahrung - paradox in einem Land, das zu den größten Agrarproduzenten der Welt zählt.

Die Arbeit fragt: Können Infrastrukturen, die einst für Maschinen gebaut wurden, zu Infrastrukturen für Menschen werden? Aus der typologischen Untersuchung wird ein konkreter Entwurf entwickelt. Hierfür wurde die Hochgarage am Parque Dom Pedro II, einem 32-geschossigen Turm in strategischer Lage zwischen Kanal, innerstädtischem Busbahnhof, Marktviertel und historischem Zentrum gewählt zum Untersuchungsobjekt.

Die warmen, feuchten, dunklen Innenräume bieten ideale Bedingungen für Pilzkultur - eine proteinreiche Fleischalternative mit hoher Flächenproduktivität. So wird die Garage zum Social Cultivator: ein Ort, der Lebensmittel produziert und zugleich Gemeinschaft kultiviert.
Das überdimensionierte Stahlbetonskelett wird durch gezieltes Entfernen von Trägern und Decken geöffnet: Entlang des ehemaligen Aufzugsschachts entstehen drei große, geschossübergreifende Räume. Im unteren Bereich verbinden sich Eingangshalle, Mensa und Pilzproduktion zu einem geschlossenen Kreislauf, in dem Abwärme und Feuchtigkeit der Küche direkt in die Kultivierung fließen. Darüber liegen Räume für Bildung und Austausch - Werkstätten, Lernorte und Veranstaltungsflächen rund um Ernährung, mit Sichtbezug zur Produktion. Den Abschluss bildet ein öffentlicher Bereich für Sport, Kultur und einen Dachgarten.

Eine durchgehende Rampe, seit der Moderne brasilianisches Architekturmotiv, ersetzt den autogerechten Erschließungsraum durch einen menschengerechten und führt vom Erdgeschoss bis zum Dach. Ein Solarkamin ventiliert die geschlossenen Räume passiv. Die beiden Fassaden zur Nachbarbebauung bleiben als Brand- und Gestaltungswände geschlossen, die anderen werden geöffnet.

Der ruinöse Charakter der alten Garage wird zur Bühne: Zeugnis des Scheiterns der autogerechten Stadt und Träger einer neuen Nutzung. Eine Maschine, die nicht mehr Autos parkt, sondern Pilze und Gemeinschaft kultiviert.


Text von David Lachermeier.