Mai / Juni 2026
Unser Schwimmbad in Steglitz
Energetische Synergie zwischen Rechenzentrum und Schwimmbad
Technische Universität Braunschweig
Master
25.03.2026
IBEA Prof. Elisabeth Endres
Freizeit- und Sportbauten
Rhinoceros 8, Illustrator, Photoshop, Vray, Gemini
Der Entwurf für das Stadtbad Steglitz setzt auf Weiterbauen statt Neubau und verbindet den Bestand mit einer neuen, produktiven Nutzung. Kern ist ein Rechenzentrum, das in die vorhandene Struktur integriert wird. Dessen Abwärme deckt den Heizbedarf des Gebäudes, während überschüssige Energie in ein Fernwärmenetz eingespeist werden kann. So entsteht ein System, das über das Gebäude hinaus wirkt und das Quartier mitversorgt.
Ergänzt wird das Ganze durch eine Reparaturwerkstatt als offene Anlaufstelle für die Nachbarschaft. Hier können alte oder defekte Geräte abgegeben, repariert oder zerlegt werden. Die gewonnenen Komponenten fließen zurück in das Rechenzentrum - vor allem ältere GPUs werden aufgerüstet und in ein wassergekühltes System eingebunden. Der Entwurf versteht Technik dabei nicht als abgeschlossene Blackbox, sondern als Teil eines lokalen Kreislaufs.
Gleichzeitig ist das Projekt auch als Gegenmodell zur zunehmenden Zentralisierung von Rechenkapazitäten gedacht, wie sie von großen Anbietern wie Google, AWS (Amazon Web Services), Microsoft Azure oder Palantir Technologies vorangetrieben wird. Statt großer, abgeschotteter Serverfarmen schlägt der Entwurf eine dezentrale, lokal eingebettete Infrastruktur vor, die vorhandene Ressourcen nutzt, Abhängigkeiten reduziert und mehr Kontrolle vor Ort ermöglicht.
Der Eingriff folgt dem Prinzip der minimalinvasiven Transformation. Die historische Bausubstanz des Stadtbads bleibt in ihrer räumlichen und konstruktiven Logik weitgehend erhalten. Die Intervention beschränkt sich auf klar definierte Ergänzungen, die als eigenständige, reversible Schichten ausgebildet sind. Ähnlich einer architektonischen Prothese wird dem Bestand eine neue funktionale Ebene hinzugefügt, die dessen Fortbestand nicht nur ermöglicht, sondern aktiv unterstützt.
Neben der reinen energetischen Synergie, geht es natürlich primär auch um den Erhalt eines Schwimmbades für den schulischen Schwimmunterricht. Seit 2017 hat sich laut des DLRGs, die Anzahl der Nichtschwimmer*innen bei Kindern verdoppelt. Das macht den Schwimmunterricht auch zu einer sozialen Frage, da privater Schwimmunterricht deutlich mehr kostet und für viele Familien nicht Priorität ist. Wir müssen es uns zur Aufgabe machen, die Infrastrukturen für Schwimmbäder zu erhalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln.
Text von Ole Frieling.