Mai / Juni 2026
Das Michelin-Areal
Von der Industriebrache zum produktiven Stadtquartier
Karlsruher Institut für Technologie
Master
21.10.2025
Professur Stadt und Wohnen, Prof. Christian Inderbitzin
Städtebau
Vectorworks, Rhino, InDesign
Die Masterarbeit entwickelt ein Konzept zur Transformation des ehemaligen Michelin-Areals in Karlsruhe von einer industriellen Brache zu einem lebendigen, gemischt genutzten Stadtquartier. Im Mittelpunkt steht die Revitalisierung der bestehenden Bausubstanz, um ökologische Nachhaltigkeit mit moderner Produktion und urbanem Wohnen zu verbinden. Durch die gezielte Kombination aus einem Handwerkerhof, einer Start-up-Halle und Wohnraumerweiterungen wird die klassische Trennung von Arbeiten und Leben aufgebrochen und eine neue Form urbaner Nutzung etabliert.
Zur Minimierung zusätzlicher Flächenversiegelung entstehen neue Wohnformen als Aufstockungen auf bestehenden Hallendächern, die über reaktivierte Rohrbrücken erschlossen werden. Nachhaltiges Ressourcenmanagement wird durch geschlossene Stoffkreisläufe und ein Regenwassermanagement mit Retentionsbecken realisiert. Grüne Achsen vernetzen die einzelnen Bereiche und stärken die Aufenthaltsqualität. Insgesamt versteht sich das Projekt als modellhafter Ansatz für eine resiliente, ressourcenschonende Stadtentwicklung, die lokale Wertschöpfung fördert und zugleich zur Ausbildung einer starken sozialen Identität beiträgt.
Unter dem Dach der Sheddachhalle von 1931 bietet die Start-Up-Halle jungen Unternehmen flexibel anpassbare Produktionsflächen. Vier Einheiten à 225 m² können je nach Bedarf zusammengeschaltet werden. An der Ostfassade befindet sich der Anlieferungsbereich mit LKW-Rampen, von dem aus Waren über eine Erschließungsachse in die Hallen oder Lager verteilt werden.
Zwischen den Hallen liegen Riegel mit Technik- und Sanitärräume und strukturieren die Zugänge. Eine Galerieebene ergänzt Büros und gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche. Geteilte Infrastruktur und zentrale Verwaltung fördern Austausch sowie Kooperation. Innenhöfe entlang der Erschließungsachse dienen zusätzlich als Aufenthaltsräume.
Die Wohnungsaufstockungen schaffen Wohnraum oberhalb der Hallendächer und unterstützen das Leitbild einer kompakten, durchmischten Stadt. Durch die effiziente Nachverdichtung bestehender Strukturen leisten sie einen Beitrag zur Reduzierung neuer Siedlungsflächen. Die Erschließung erfolgt über Laubengänge auf der Nordostseite, während vorgelagerte Wintergärten auf der Südseite als gemeinschaftlich nutzbare Freiräume dienen und zugleich den Lärmschutz verbessern. Unterschiedliche Wohnungstypen von 1,5 bis 4,5 Zimmern ermöglichen vielfältige Lebensmodelle. Flexible Grundrisse mit schaltbaren Räumen und beweglichen Trennelementen erlauben eine individuelle Nutzung, etwa für Arbeiten, Wohnen oder gemeinschaftliche Wohnformen.
Text von Nicolas Klemm.