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Juli / August 2025

Hochschule Düsseldorf

Melting Pott

Orte der Begegnung

von Jana Rühl

Hochschule:

Hochschule Düsseldorf

Abschluss:

Master

Präsentation:

24.06.2025

Lehrstuhl:

Fachbereich Architektur und Design, Prof.in Dipl. Ing., M. Arch. Tanja Kullack, Prof.in Barbara Holzer

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

Rhinoceros 3D, Adobe Cloud

Migration verändert Räume. Sie verändert Routinen, Nachbarschaften, Selbstverständlichkeiten. Manchmal sichtbar, manchmal leise. Besonders im Ruhrgebiet, das über Jahrzehnte durch Zuwanderung geprägt wurde, zeigen sich diese Verschiebungen nicht nur gesellschaftlich, sondern auch räumlich und atmosphärisch. Raum ist dabei nicht bloß Kulisse sozialer Prozesse, sondern selbst ein aktiver Teil davon.

Vor dem Hintergrund eines wachsenden gesellschaftlichen Rollbacks und eines erstarkenden Rechtsrucks wird deutlich: Offenheit, Teilhabe und Zugang sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie müssen aktiv gestaltet und im Alltag erfahrbar gemacht werden. Architektur kann dafür Bedingungen schaffen.

Die Masterarbeit „Melting Pott“ fragt danach, wie räumliche Strukturen Begegnung ermöglichen können. Im Zentrum steht die Zeppelinstraße in Mülheim an der Ruhr, wo aktuell ein Neubauquartier für bis zu 630 geflüchtete Menschen entsteht. Doch Integration passiert nicht durch Planung allein, sondern im Alltag, in Schwellenräumen, im Dazwischen.

Entlang der Straße liegen mehrere leerstehende Gebäude, darunter ein ehemaliger Imbiss, ein leerstehendes Büro, ein unbewohntes Wohnhaus und eine aufgegebene Gärtnerei. Sie bilden die Grundlage für eine dezentrale Struktur kleiner Orte, die durch Alltagsnutzung, Nähe und Offenheit verbunden sind. Nicht Repräsentation steht im Vordergrund, sondern Nutzbarkeit. Die Orte schaffen Identifikation, ermöglichen Teilhabe und geben Impulse für gemeinschaftliches Leben.

Die Arbeit basiert auf sozialräumlicher Analyse, Fallstudien und Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern. Aus der Recherche entsteht eine räumliche Strategie, die Leerstand als Ressource versteht. Eine gestalterische Identität macht neue Funktionen sichtbar, ohne sich aufzudrängen.

„Melting Pott“ versteht Innenarchitektur als politische Praxis. Als Beitrag zu einer offenen Gesellschaft. Als Haltung, die sich in Gestaltung übersetzt.

Text von Jana Rühl.