Juli / August 2025
Konglomerat der Begegnung
Transformation der Alten Post in Leipzig-Grünau
Bauhaus-Universität Weimar
Master
27.03.2025
Entwerfen und Raumgestaltung Prof. José Mario Gutiérrez Marquez
Kulturbauten
ArchiCad, Adobe CC
Städte sind immer häufiger von Segregation und räumlicher Fragmentierung geprägt. Menschen ziehen sich zurück, das Leben findet in Privatheit und an ausgewählten exklusiven Orten statt. Neutrale Orte ohne Konsum schwinden und eine homogene Mischung der Bewohnenden einer Stadt oder eines Quartiers nimmt ab. Unter anderem sind entwerfende Disziplinen gefordert, diese Fragmentierung aufzudecken, transdisziplinäre Diskurse anzustoßen und Orte zu gestalten, die Austausch, Begegnung und Demokratie fördern.
In der zwischen 1976-1987 nach sozialistischen Städtebauvorbildern errichteten Plattenbausiedlung Leipzig Grünau entsteht in der Arbeit ein neues Zentrum. Es fungiert als sozialer Treffpunkt für ein Quartier, das von demografischem Wandel, Leerstand und sozialer Segregation geprägt ist. Ausgehend von den Planungen der Stadt Leipzig für ein Bildungs- und Bürgerzentrum entwickelt die Arbeit ein räumliches Konzept, das bestehende Strukturen aufgreift und gezielt stärkt.
Als Gegenvorschlag zu einem Neubau wird das leerstehende und obsolet gewordene Gebäude der ehemaligen Deutschen Post, ein Stahlbetonskelettbau der Typenserie VGB, transformiert. Durch selektiven Rückbau und gezielte Ergänzungen entsteht ein Ensemble aus drei Stadtbausteinen, zwei öffentliche und ein privater, die gemeinsam mit einem neuen Platz und Pavillons ein Konglomerat an Orten der Begegnung und Gemeinschaft bilden. Bibliothek, Volkshochschule, Bürgerservice, Jugendclub, Werkstätten, Veranstaltungsräume, Clusterwohnungen und eine Kantine beleben die Baukörper. Der Bestand bleibt als Tragstruktur und Zeitzeugnis sichtbar und wird revitalisiert, während das ergänzte Terrassenhaus Programme aufnimmt, die im Bestand durch ein vorbestimmtes Stützraster nicht realisierbar wären.
Das Erdgeschoss aller Bausteine ist öffentlich zugänglich und öffnet sich mit großzügigen Vordächern und fließenden Übergängen zum Stadtraum. Ein zentraler Platz verbindet die drei Gebäude und schafft mit klarer Erschließung Orientierung. Der Entwurf verzichtet bewusst auf Hierarchien zwischen innen und außen, die Architektur ist durchlässig und lädt zur alltäglichen Nutzung ein.
So entsteht ein Ort für Begegnung, der Vielfalt sichtbar macht und räumlicher Fragmentierung aktiv entgegenwirkt: ein Konglomerat der Begegnung.
Text von Klara Löchte.