Juli / August 2025
Nächster Halt: Roddenkoppel
Ehemaliges Werftgelände in Lübeck
Technische Universität Braunschweig
Master
26.03.2025
Institut für Städtebau und Entwurfsmethodik und Prof. Uwe Brederlau
Städtebau
Adobe InDesign, Photoshop, Illustrator, Rhino, Vray, Handzeichnungen
Die Roddenkoppel in Lübeck liegt zwischen der Altstadt, Trave, Bahntrasse und Autobahn, also zentral und dennoch wenig genutzt. Das ehemalige Industrie- und Hafengebiet ist geprägt durch große Hallen, historische Bauten und erste Umnutzungen wie die Kulturwerft Gollan. Mit dem Bau der Fehmarnbelt-Querung und der neuen Bahnverbindung entsteht neues Potenzial: mehr Verkehr, mehr Tourismus, mehr Bedarf an neuen, funktionierenden Quartieren.
Ziel meines Entwurfs war es, ein Konzept zu entwickeln, das die Roddenkoppel zukunftsfähig, sozial und klimatisch sinnvoll aufstellt, dabei aber ihre industrielle Geschichte sichtbar lässt. Der Fokus liegt auf dem Erhalt und der Weiterentwicklung des Bestands, gemeinschaftlicher Nutzung der Wasserkante und einer behutsamen städtebaulichen Ergänzung.
Fünf Prinzipien leiten den Entwurf: 1. bestehende Strukturen respektieren, 2. Geschichte integrieren, 3. partizipative Entwicklung ermöglichen, 4. vielfältige Nutzungen fördern und 5. Eingriffe gut begründen. Die Roddenkoppel bleibt als Einheit erkennbar, wird aber in sechs neue Teilbereiche gegliedert, die jeweils eigene Schwerpunkte haben. Sie sind über einen 3 km langen Rundweg, dem Hafenloop, miteinander verbunden.
Inhaltlich gibt es die Schwerpunkte Urban Mining und Gleisinstandhaltung. Für das Urban Mining werden Materialien aus Rückbauten gesammelt, sortiert und wieder nutzbar gemacht. Große Hallen dienen als Lager und Schauraum. Ergänzend entsteht ein Institut für zirkuläres Denken, um Synergien zu schaffen. Die Gleisinstandhaltung wird an die gestiegene Bedeutung des Schienenverkehrs, mit Werkstätten, Co-Working, Hostel und Azubi-Wohnungen mit Blick Richtung Altstadt, angepasst.
Ergänzt wird das Quartier durch MobilityHubs, Bushaltestellen und eine neue Bahnhaltestelle. Energie wird vor Ort erzeugt: über Solarpaneele, Gründächer, Regenwassernutzung und ein Nahwärmenetz mit saisonalen Speichern. Das sorgt für eine eigenständige, klimafreundliche Versorgung.
Die Teilgebiete – Industrie, Gewerbe, Kultur, Wohnen, Bahnbereich und Hafenkante – sind funktional und gestalterisch aufeinander abgestimmt. Es entstehen Orte für Arbeiten, Wohnen, Reparieren, Lernen, Kultur und Freizeit. Der Bestand wird gestärkt und neu interpretiert, ohne dabei die Identität des Ortes zu verlieren.
Text von Laura Leinert.