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Juli / August 2025

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Durchwohnt

Ein Entwurf zukunftsfähiger Wohntypologien

von Philippe Finn Fleischmann, Hannah Deimel

Hochschule:

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

30.01.2025

Lehrstuhl:

Klasse für Entwerfen, Prof. in Bettina Kraus, AM Dipl. -Ing. Florian Kaiser

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Vectorworks, Rhino, Adobe InDesign, Adobe Illustrator, Adobe Photoshop, Blender

Ausgangspunkt des Entwurfs ist ein innerstädtisches Supermarktgrundstück am Tempelhofer Feld ? eine städtebauliche Bruchkante zwischen Planstadt Neu-Tempelhof, Infrastrukturschneisen und großmaßstäblichem Freiraum. Das Grundstück wird von uns als Lücke der historischen Randbebauung gelesen und durch eine zeilenartige Struktur geschlossen, die die Typologie der Gartenstadt Neu-Tempelhof aufgreift und weiterdenkt.

Die Baukörper reagieren auf die Dynamik der angrenzenden Verkehrsinfrastrukturen durch horizontale Staffelungen und Gliederungen. So entstehen vielfältige Blickbeziehungen zur Umgebung sowie ein fein abgestimmter Rhythmus aus Rückzug und Offenheit. Die Erdgeschosszone wird als hybrider Sockel konzipiert: Ein Supermarkt, Solidaritäts-Café und gemeinschaftlichen Funktionen bilden das soziale Rückgrat des Hauses. Teile der ursprünglichen Aldi-Konstruktion werden in eine Arkade überführt und bilden einen identitätsstiftenden Übergangsraum zur Straße.

Die vertikale Erschließung erfolgt über drei Kerne, die zugleich Schnittstellen und Gelenke zwischen den Wohnblöcken darstellen. Horizontal verbinden Laubengänge auf der Nordseite die Einheiten, während die Südseite mit durchlaufenden Balkonen dem Wohnen zugeordnet ist. An den Schnittstellen erzeugt die Rotation der Erschließungsfigur eine räumliche Verbreiterung - Balkone und Laubengänge werden zu sozialen Schwellen.

Der Grundriss basiert auf durchgesteckten Wohnungen in einem 4,2?m-Raster mit gleichgroßen 16m² Räumen. Ein mittig versetztes Quadrat fungiert als Verteiler- und Sanitärzone, teils mit Atrium, und verbindet vier angrenzende Räume. Die Wohnstruktur folgt einem klaren Prinzip: Norden für Erschließung und Kochen, Süden für Wohnen, Schlafen verteilt sich in den übrigen Räumen. Maisonettes variieren in ihrer Wohndynamik (Durch-, Über- oder Unterwohnen) und bilden mit den eingeschossigen Wohnungen zehn Typen von 48 bis 136?m², alle auf dem gleichen System basierend. Durch modulare Anordnung der Wohntypen entstehen Jokerräume, die flexibel zugeordnet werden können. Die Mischung von Maisonettes und eingeschossigen Wohnungen ermöglicht ein Wechsel der Nachbarn an Nord und Südseite und fördert damit die soziale Durchmischung der Bewohner.

Insgesamt drei Betonkerne gewährleisten die Aussteifung des Holzskelettbaus. Die Fassade wird durch ein vorgelagertes Trägerrost ergänzt, das Balkone, Laubengänge, Sonnenschutz und PV-Module trägt. Diese zweite Hülle bildet eine thermische und strukturelle Pufferzone und definiert die Fassade als dynamische Zwischenebene zwischen Infrastruktur und Wohnen.

Das klare Gebäuderaster dient als Grundgerüst für eine geschossübergreifende Vielfalt an Wohntypologien unterschiedlicher Größe. Diese typologische Diversität fördert die soziale Durchmischung der Bewohnerschaft und schafft ein Umfeld, das Begegnung und gemeinschaftliches Zusammenleben unterstützt. Ziel ist es, Wohnraum zu gestalten, der nicht nur funktional, sondern auch sozial verbindend wirkt.

Text von Philippe Fleischmann und Hannah Deimel.