Juli / August 2025
Technische Universität Berlin
T R A N S I T
Leerstehende Transitarchitektur an der A115: Phasenweises Reaktivieren des ehemaligen Grenzübergangs Checkpoint Bravo als zukunftsfähiger Transitpunkt zwischen Stadt und Umland
Technische Universität Berlin
Master
07.05.2025
Fachgebiet AIC - Architektur und innovative Baukonstruktion, Prof. Nicole Berganski (1. Prüferin), Franziska Wollscheid M. Sc. (2. Prüferin)
Bürobauten
ArchiCAD, Adobe Photoshop, Adobe Indesign, Enscape
An der südlichen Autobahn Berlins liegt ein Ort, der wie eingefroren wirkt. Checkpoint Bravo, einst Transitkontrollpunkt zwischen West-Berlin und der DDR, ist ein Monument der deutschen Teilung, bestehend aus einem Ensemble verschiedener Funktionsgebäude. 1970 im amerikanischen Sektor errichtet, sollte die Architektur nicht nur Funktionalität, sondern auch Präsenz, Prestige und eine gewisse Leichtigkeit trotz politischer Spannungen suggerieren. Nach dem Mauerfall 1989 verstummte der 125.000m2 Ort schlagartig. 35 Jahre später steht er immer noch wie ein Fremdkörper neben der Stadt, der durch Denkmalschutz bewahrt wurde vor Abriss, nicht aber vor Vergessenheit und Verfall.
Im Fokus der Arbeit steht das über die Autobahn gespannte ehemalige Kontrollgebäude mit seiner starken räumlichen und symbolischen Präsenz. Es ist heute nur noch ein marodes Brückenbauwerk, das vom Zollamt Dreilinden genutzt wird, doch rund 70 % der Innenräume stehen leer: ein langfristiges Nutzungskonzept fehlt. Die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bauwerk stützt sich auf umfassende Archivrecherchen, Gespräche mit dem Nutzer, denkmalpflegerische Gutachten, Begehungen sowie die Erstellung eines Material- und Bauteilkatalogs.
Das Konzept der schrittweisen Reaktivierung umfasst drei Phasen:
1. Erster Impuls „Fußgängerstraße“
2. Bestandssicherung
3. Initialprojekt
Ein wesentlicher Beitrag zur Erinnerungskultur ist der Erhalt des ehemaligen Grenzpunkts samt der Fahrbahnspuren, die den Ablauf der einstigen Abfertigung sichtbar machen. Eine barrierefreie Rampe für Fußgänger*innen und Fahrradfahrende bildet den ersten Impuls. Der Bestand wird respektiert und in seiner äußeren Erscheinung bewahrt. Analog zur Direktheit der Rampe entsteht im Inneren eine öffentliche Passage, die sich über die Autobahn spannt und an der Werkstätten, Lern- und Aufenthaltsräume liegen. Gipskartonwände aus einer Umbauphase um das Jahr 2000 werden rückgebaut, um die ursprüngliche offene Raumstruktur im Brückenteil wieder herzustellen.
Das Initialprojekt erprobt Wohnungen für den temporären Aufenthalt. Angesichts der unmittelbaren Nähe zur Autobahn wirkt diese Idee zunächst widersprüchlich. Doch wie können wir Orte bewohnen, die ursprünglich nicht dafür gedacht sind? Unter dem Druck des Berliner Wohnungsmarkts werden Infrastrukturräume zu Experimentierfeldern für neue Wohn- und Gemeinschaftsformen. Temporäres Wohnen bietet Flexibilität für mobile Berufsgruppen, Studierende oder Pendler*innen. Das Wohnen an der Autobahn wird nicht als Notlösung verstanden, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit dem Stadtraum der Zukunft.
Und 2040? Das Projekt versteht sich nicht als abgeschlossene Antwort, sondern als fortlaufender Prozess, der sich wandelnden Anforderungen, Nutzer*innen und gesellschaftlichen Entwicklungen anpasst. T R A N S I T als neues Eingangstor nach Berlin setzt ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen.
Text von Johanna Charlotte Friedrich.