Platz 2
Nächstes Projekt 03/20  

Juli / August 2025

Bauhaus-Universität Weimar

Die Mitte des Dorfes - Gemeinschaft stiftende Räume auf dem Land

Ein Ensemble in Niedergrunstedt

von Jan Pleines

Hochschule:

Bauhaus-Universität Weimar

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

10.02.2025

Lehrstuhl:

Konstruktives Entwerfen und Erproben Jun.-Prof. Dipl.-Ing. Tim Simon-Meyer

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

ArchiCAD, Vectorworks, Illustrator, Lightroom, Photoshop, Indesign

Wie definiert sich die zukünftige Mitte im peripheren/ländlichen Raum? Wie können wir als Planer:innen mit begrenzten Ressourcen und Mitteln die vorhandenen öffentlichen Räume in der Dorfmitte stärken, sodass sie Gemeinschaft stiften?

Um auf diese Fragen beispielhafte Antworten zu finden, habe ich mich im Konkreten mit dem Dorf Niedergrunstedt auseinandergesetzt: Niedergrunstedt gehört seit der thüringischen Regionalreform 1994 als Ortsteil zu kreisfreien Stadt Weimar und zählt aktuell ca. 540 Einwohner:innen. Vor dem Hintergrund des Wohn- und Studienortes Weimar/Thüringen und den Ergebnissen der letzten Wahlen auf Bundes- und Landesebene ist die Auseinandersetzung mit dem baukulturellen Erbe und den Menschen aus der Region nicht nur absolut notwendig, sondern darüber hinaus auch eine gewaltige Chance Gemeinschaft zu stärken und Menschen wieder zusammenzubringen.

Während des Entwurfsprozesses wurden daher Einwohner:innen, die sich als Dorfentwickler:innen schon länger vor Ort engagieren, hinzugezogen, um den tatsächlichen Bedarf und auch die persönlichen Wünsche berücksichtigen zu können. Bei Niedergrunstedt handelt es sich um ein Straßendorf mit wenigen Nebenstraßen und das Ortsbild ist durch verschiedene Mehrseithöfe mit traditionellem Fachwerk und Natursteinfassaden geprägt. Das historische Dorfzentrum steht seit 1992 als Gesamtensemble unter Denkmalschutz. So auch die drei Gebäude mit denen ich mich architektonisch auseinandergesetzt habe: Das alte Schulhaus mit Schulscheune (beides Baujahr 1836) und die evangelische Barockkirche St. Mauritius (Baujahr 1726-1728). Während das Schulhaus seit den 90er-Jahren als Vereinshaus, z.b für das Hofatelier Weimar, genutzt wird, stehen Schulscheune und Kirche zwar nicht leer, werden aber auch nicht mehr wirklich genutzt. Die Kirche, die u. A. auch vom Maler Lyonel Feininger in seinem Werk verarbeitet wurde zeigt ihre besondere Pracht im aufwendig bemalten Ausbau mit regional typischen Pyramiden-Kanzel-Altar. Ihr Leerstand und die nicht mehr vorhandene Nutzung ist kein Einzelfall. Jede 5. Kirche in Deutschland steht in Thüringen. Von den 2000 evangelischen Kirchen hier, stehen ca. 500 leer und die allermeisten sind nicht einmal öffentlich zugänglich. Die Betrachtung dieser Gebäude als gesamtgesellschaftliches Bauerbe und die hybride Transformation dieser Typologie kann daher eine große Chance bei der Neugestaltung der künftigen Mitte des Dorfes sein.

Meine Idee ist es durch mehrere gezielt angesetzte Interventionen die vorhandene bauliche Kulisse in der Nutzung zu einem Ensemble weiterzuentwickeln. Dabei ist die Reihenfolge der Betrachtung und der architektonischen Eingriffe von Außen nach Innen gedacht: Ich versuche dabei mit neuen und gestärkten Aufenthaltsangeboten im Außenraum die Notwendigkeit baulicher Maßnahmen im Innenraum, speziell in der Schulscheune und der Kirche zu legitimieren. Das Schulhaus dient dabei mit seiner derzeit schon funktionierenden Nutzung als Grundstein für alles Weitere.

Text von Jan Pleines.