Nächstes Projekt 06/20  

Januar / Februar 2023

Technische Universität München

Resiliente Strukturen

Ein Ort der Genesung

von Vanja Jovancic

Hochschule:

Technische Universität München

Abschluss:

Master

Präsentation:

12.10.2022

Lehrstuhl:

Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten

Rubrik:

Gesundheitsbauten

Software:

ArchiCad

In der Auseinandersetzung mit der verlassenen Struktur des ehemaligen Hotels Teuta in der Bucht von Kotor, stellte sich die Frage nach einer neuen, ganzjährigen Nutzung des zuvor nur saisonal genutzten Komplexes. Umgeben von den Steilküsten des Orjen-Kalksteingebirges, wirkt das Erbe einer sozialistischen Moderne, in seinem Ausdruck durchaus adäquat positioniert. Jedoch wird man sich erst im Vergleich zur lokalen Bebauung im venezianischen Stil, der tatsächlichen Maßstäblichkeit und Kapazität des brutalistischen Betonbaus bewusst. An die im Ort bereits vorhandene Spezialklinik für Orthopädie und Neurologie anknüpfend, wird eine Umnutzung als Rehabilitationszentrum für ebendiese Fachbereiche vorgeschlagen.
Die auf einen Beherbergungsbetrieb ausgelegte Schottenstruktur wird dabei auf ihre statisch tragenden Bestandteile reduziert. Durch eine Perforierung der Betonschotten in Querrichtung, wird eine Durchwegung der Gebäudemitte ermöglicht, wodurch die einseitige Orientierung der Innenräume ausschließlich Richtung Meer aufgebrochen werden kann. Zugunsten der Therapie werden die Räume nun im fließenden Übergang abwechselnd Richtung Gebirge und Meer orientiert, wodurch eine starke Präsenz und Verzahnung mit der umgebenden Natur entsteht. In das geschwächte Betonskelett wird zudem behutsam eine unterstützende Holzstruktur eingeführt, die fortan den Charakter des brutalistischen Gebäudes bestimmen soll. Die räumliche und atmosphärische Wirkung der Holzkonstruktion soll dabei positiven Einfluss auf den Regenerationsprozess nehmen, ganz im Sinne einer heilenden Architektur.
Das Erdgeschoss dient der grossgemeinschaftlichen Therapie und steht der Öffentlichkeit sowie den Bewohnern des Hauses offen. Der weitläufige Grundriss ist introvertiert konzipiert und verzahnt sich durch seine Ausformulierung mit der Umgebung. Durch die Erhöhung des Hauses auf eine elaborierte Plattform aus Außenflächen und -zugängen, Terrassen und Pflanztrögen, werden verschiedene Grade der Privatheit beim Herantreten an das Gebäude definiert. Um die zwei Innenhöfe des Erdgeschosses konzentrieren sich die beiden Schwerpunkte der gemeinschaftlichen Behandlung in Form von Hydrotherapie und Bewegungstherapie. Die Obergeschosse sind im Gegensatz dazu extrovertiert und orientieren sich zur umgebenden Natur. Die mäandrierende Therapie- und Bewegungsfläche dient dabei der Rekreation und dem betreuten Wohnen durch Angebote der Ergotherapie, der Logopädie oder Bewegungstherapie. Zudem kann die Therapie auch durch das Angebot verschiedener Wohnformen speziell auf die Patienten angepasst werden.
Der Entwurf thematisiert die Konzeption der Wiederherstellung einer architektonischen sowie körperlichen Resilienz im Vergleich.
Text von Vanja Jovancic.