September / Oktober 2026
Wohnen mit Wasser
Umnutzung eines ehemaligen Getreidesilos zu einer Quartiers Zisterne
Fachhochschule Potsdam
Bachelor
22.07.2026
Entwerfen und Konstruieren - Prof. Winkens, Lennard Dose M.A.
Wohnbauten
Archicad, Cinema4d, Photoshop, Lightroom
Die Arbeit untersucht, wie zukünftiges Wohnen angesichts zunehmender Hitzeperioden, Starkregenereignisse und Wasserknappheit gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen ein integrales Regenwassermanagement, natürliche Kühlung von Wohnraum und die Wiederverwendung von lokalen Materialien. Gebäude werden nicht als isolierte Objekte verstanden, sondern als Teil eines klimaangepassten Quartiers.
Der Entwurf befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Geschützgießerei in Berlin-Spandau (Sophienwerder). Das industriell geprägte, stark versiegelte Areal liegt unmittelbar an der Spree und wird künftig zu einem Wohnquartier entwickelt. Ausgangspunkt des Entwurfs sind die bestehenden Betonsilos der ehemaligen Schüttmühle. Sie bleiben als identitätsstiftende Struktur erhalten und werden zu Wohnraum sowie zur zentralen Quartierszisterne umgenutzt.
Die Anordnung der Baukörper greift die lineare Struktur der ehemaligen Industriehallen auf und schafft klare Blick- und Wegeverbindungen zur Spree. Zwischen den Gebäuden entstehen großzügige Grünräume. Große Teile der versiegelten Flächen werden entsiegelt, um Hitzeinseln zu reduzieren, Regenwasser versickern zu lassen und die Grundwasserneubildung zu fördern. Das Freiraumkonzept folgt dem Prinzip der Schwammstadt: Regenwasser wird möglichst vor Ort gespeichert, verdunstet oder versickert, anstatt in die Kanalisation abgeführt zu werden. Dies gewinnt in Berlin angesichts zunehmender Trockenperioden und Starkregenereignisse sowie der Belastung der historischen Mischkanalisation an Bedeutung.
Alle Neubauten stehen aufgeständert über abgesenkten Gärten. Dort wird Regenwasser von Dächern und Freiflächen gesammelt und in die Quartierszisterne innerhalb des Silos geleitet. Das gespeicherte Wasser steht in Trockenzeiten zur Bewässerung und Nutzung im Quartier zur Verfügung. Zusätzliche Retentionsflächen können bei Starkregen gezielt überflutet werden. Im Untergeschoss des Silos wird Grauwasser aufbereitet und erneut nutzbar gemacht.
Das umgenutzte Silo beherbergt unterschiedliche Wohnungstypen mit Ausblick auf die Spree. Eine vorgelagerte Balkonstragstruktur erweitert den Wohnraum und erhält die bestehende Betonstruktur. Im Erdgeschoss befinden sich gemeinschaftliche Nutzungen wie Werkstätten, Fahrradwerkstatt und Quartierstreff. Ein gemeinschaftlicher Dachgarten erschließt die oberen Wohnebenen.
Die Neubauten ergänzen das Ensemble mit unterschiedlichen Wohnformen. Das Haus zwischen Pfeilern nutzt Ziegel aus den Bestandsgebäuden und bietet flexibel nutzbare, durchgesteckte Wohnungen. Das Hofhaus orientiert sich am Prinzip des Riads: Ein ovaler Laubengang schafft Begegnungsräume, während der begrünte Innenhof zur natürlichen Kühlung beiträgt. Das Zwillingshaus besteht aus zwei über Stege verbundenen Baukörpern. Wintergärten, flexibel zuschaltbare Räume und durchgesteckte Grundrisse ermöglichen anpassungsfähige Wohnformen.
Text von Benjamin Hostermann.