September / Oktober 2026
Laufwerk
Bauteile in Bewegung
BTU Cottbus-Senftenberg
Master
29.07.2026
Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Jan Musikowski
Industriebauten
ArchiCAD, Rhino, Photoshop, Illustrator, InDesign
Das Entwurfsstudio Stored Matter versteht Wiederverwendung als Entwurfsprinzip und architektonische Ressource.
Die Studierenden entwickelten auf urbanen Restflächen im Berliner Zentrum zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße resiliente Strukturen für vertikale Materialdepots zur Lagerung gebrauchter Bauteile und Materialien.
Ausgangspunkt der Entwurfsarbeit war die Auseinandersetzung mit dem Sammeln, Ordnen, Archivieren und Analysieren gebrauchter Materialien sowie mit den räumlichen Bedingungen vor Ort. Dabei entwickelten sich resiliente Tragwerke, anpassungsfähige Raumstrukturen und Fassaden, die Wiederverwendung sichtbar machen. Ankauf, Aufbereitung, Lagerung und Weiterverkauf wurden architektonisch integriert und mit sozialer Interaktion und die städtebauliche Verbindung verknüpft.
Das LAUFWERK organisiert sich über drei ineinandergreifende Bauteile. Den Sockel bilden wiederverwendete Stützen aus alten Industriebauten der DDR-Zeit - ein dichter Wald, der dem Baukörper seine industrielle Herkunft einschreibt. Ihre Verfügbarkeit verdanken wir der Energiewende: Zahlreiche Bestandskraftwerke werden derzeit teilweise oder vollständig zurückgebaut und setzen dieses Stützenmaterial frei. Zwischen den Stämmen verästeln sich Stangengerüste wie ein Geäst im Wald - erweiterbar und veränderlich, sodass sie sich je nach zu verkaufendem Bauteil stetig neu ausrichten lassen.
Darüber setzt sich die Krone ab - ein leichter Stahlrahmen umhüllt mit wiederverwendeten Trapezblechen und Fenstern aus Abrissprojekten. Ihre Struktur verzahnt sich mit dem Stützenraster darunter, sodass Schwere und Leichtigkeit ineinander übergehen.
Massive Türme aus recyceltem Betonabbruch durchdringen diese beiden Schichten - wirken schwer, erdverwachsen und verbinden die Geschosse. (1)
So entsteht ein Neubau, der seine Materialität aus der Historie Berlins entwickelt: Alt und Neu, massiv und leicht bilden gemeinsam eine Struktur, die Wiederverwendung lebt.
Der Entwurfsprozess dieses Semester war bewusst experimentell und handwerklich angelegt. Die modulare Logik der Gerüststrukturen sollte nicht nur im Entwurf, sondern auch in der Darstellung ablesbar bleiben. Aus den einzelnen Modulen wurden Stempel im 3D-Druck gefertigt und nach dem Plott von Hand mit Acrylfarbe auf die Pläne aufgebracht. Jeder Abdruck macht somit die Wiederholung der Module sichtbar. Auch der Umgang mit wiederverwendeten Bauteilen prägte die Arbeitsweise. Wir experimentieren mit dem Überlagern von Baustellennetzen, um diese nicht nur als Witterungsschutz, sondern auch als Kommunikationsflächen verwenden zu können.
Text von Robert Rösler und Ferdinand Schromek.