September / Oktober 2026
R.O.S.T.
Eine zirkuläre Infrastruktur für den Frankfurter Kulturcampus.
Frankfurt University of Applied Sciences
Bachelor
04.08.2026
Prof. Dr.-Ing. Timo Carl Digitales Entwerfen und Konstruieren [dEK]
Kulturbauten
Rhino, ArchiCAD, Adobe, TwinMotion, Procreate
Zwischen der historischen Dondorf-Druckerei und dem neuen Senckenberg-Museumsplatz spannt sich im Frankfurter Bockenheim eine urbane Kulturachse auf, die als zentrales Bindeglied und räumliches Scharnier die verschiedenen Bildungs- und Kulturorte vernetzt. Um diese Offenheit im Stadtraum physisch zu gewährleisten, ruht das Gebäude auf vier riesigen Pfeilern, die über Trägerroste miteinander verbunden sind. Dadurch bleibt die neu entstehende Landschaft darunter völlig unversehrt, der Grundriss unversiegelt und der öffentliche Raum fließt ungehindert unter dem Bauwerk hindurch. Gemäß der Aufgabenstellung war der Abriss der bestehenden Kunstbibliothek auf dem Areal vorgesehen. Entgegen eines restlosen Rückbaus wurde deren charakteristisches Stahltragwerk jedoch erhalten und als "Grüner Pavillon" auf das Dach der ebenfalls 40 x 40 Meter messenden Universitätsbibliothek (Kramer-Bau) an der Ecke des Campus versetzt. Parallel dazu erfolgte der großflächige Rückbau der bestehenden Tiefgarage. Durch diesen Eingriff in die Topographie und die komplette Entsiegelung des Bodens entsteht wertvoller, naturbelassener Raum für echtes, tiefwurzelndes Grün. Diese großflächigen Vegetationszonen dienen als klimatische Pufferzone und tragen durch Evapotranspiration (Verdunstungskälte) aktiv zur Kühlung des Mikroklimas auf dem Kulturcampus bei. Das aus dem Rückbau resultierende Abbruchmaterial bildet die direkte Ressource für das zirkuläre Materialkonzept des Neubaus. Im Sinne eines konsequenten Urban Minings wird der physische Körper des Gebäudes aus den Resten der lokalen Bestandsarchitektur manifestiert: Ausgesägte Stahlbetondecken der Tiefgarage fungieren als auskragende Verschattungselemente und Außenaufenthaltsflächen, die sich wie Balkone zum neuen Park hin orientieren, während der verbleibende Bauschutt als RC-Schotter und monolithischer Stampfbeton die feuerfeste Ummantelung der Hauptpylone formt. Durch bewegliche Polycarbonat-Tore öffnet sich das Erdgeschoss vollständig zum öffentlichen Raum und verschmilzt mit dem Campus. Als konsumfreier "Dritter Ort" entzieht sich das Raumgefüge einer monofunktionalen Bespielung: Die flexibel koppelbaren Hallen bieten tagsüber Räume für studentische Arbeit oder Kultur und transformieren sich nachts - in Reminiszenz an das historische KOZ - zu einem subkulturellen Veranstaltungsort, der über eine inszenierte Treppe, einen Lastenaufzug und weitere zylindrische Aufzüge rund um die Uhr bespielt wird.
Text von Ali Hasan Özkan.