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September / Oktober 2026

Bauhaus-Universität Weimar

Ein Familienhausgebiet im Umbruch

Architektonische Strategie zur Weiterentwicklung eines Bestandsquartiers am Beispiel Thüngersheim

von Clara Roth

Hochschule:

Bauhaus-Universität Weimar

Abschluss:

Master

Präsentation:

07.04.2026

Lehrstuhl:

Professur Bauformenlehre Prof. Bernd Schmutz, Entwerfen und Wohnungsbau, Prof. Verena von Beckerath

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Vectorworks, Archicad, Affinity

Einfamilienhausquartiere der 1960er- und 1970er-Jahre prägen bis heute viele ländliche Gemeinden. Ursprünglich für Familien mit mehreren Kindern geplant, werden zahlreiche Häuser aufgrund des demografischen Wandels, kleiner werdender Haushalte und des Remanenzeffekts heute nur noch von ein oder zwei Personen bewohnt. Während Wohnflächen ungenutzt bleiben, steigt der Bedarf an vielfältigen Wohnformen und zusätzlichem Wohnraum. Die Arbeit untersucht, wie bestehende Quartiere an diese veränderten Anforderungen angepasst werden können, ohne ihre räumlichen Qualitäten zu verlieren.

Am Beispiel eines Familienhausquartiers der 1970er-Jahre in Thüngersheim entwickelt die Masterthesis ein architektonisches Transformationsmodell. Der Bestand wird dabei nicht als überholte Siedlungsform, sondern als räumliche, materielle und soziale Ressource verstanden. Ziel ist es, vorhandene Wohnflächen besser zu nutzen, neue Wohnangebote und gemeinschaftliche Nutzungen zu schaffen sowie die Identität des Quartiers langfristig zu erhalten.
Grundlage des Entwurfs bildet eine detaillierte Analyse der städtebaulichen Struktur, der Gebäudetypologien und der charakteristischen Qualitäten des Bestands. Untersucht werden wiederkehrende Motive des Familienhauswohnens: individuelle Adressbildung, private Freiräume, Schwellenräume zwischen Privatheit und Nachbarschaft sowie Sichtbeziehungen zwischen Innen- und Außenraum. Diese Beobachtungen werden in eine zeitgemäße Architektursprache übersetzt.
Der Entwurf basiert auf drei miteinander verknüpften Strategien. Die Umwidmung aktiviert bestehende Gebäude und Nebenstrukturen für gemeinschaftliche Nutzungen. Ein Gebäude an der Quartiersecke wird beispielhaft als Treffpunkt mit Pub, flexibel nutzbarem Obergeschoss und angrenzenden Freiflächen entwickelt. Eine weitere Nebenstruktur wird für gemeinschaftliche Funktionen wie Waschen, Fahrradabstellen und nachbarschaftlichen Austausch umgenutzt.
Die Bestandsoptimierung setzt bei den ungenutzten Flächen innerhalb der bestehenden Wohnhäuser an. Durch neue Erschließungen und gezielte Anbauten werden zusätzliche Wohneinheiten ermöglicht, während die bisherigen Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser weiterhin weitgehend wie gewohnt nutzen können.
Die Nachverdichtung ergänzt das Quartier durch neue Wohngebäude innerhalb der bestehenden Struktur. Unterschiedliche Konstellationen untersuchen, wie zusätzlicher Wohnraum und gemeinschaftliche Wohnformen auch bei unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen entstehen können. Maßstab, Materialität und Fassadensprache entwickeln sich aus den Qualitäten des Bestands und führen diese eigenständig weiter.
Die drei Strategien bilden einen flexiblen Werkzeugkasten für eine schrittweise Transformation. Die Arbeit zeigt, wie Einfamilienhausquartiere durch gezielte architektonische Eingriffe ressourcenschonend weiterentwickelt und an zukünftige gesellschaftliche Anforderungen angepasst werden können.


Text von Clara Roth.