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September / Oktober 2026

Technische Universität Wien

Potenziale des zeitgenössischen Fachwerkbaus

Transformation eines Bestands mit Einfamilienhauscharakter

von Constantin von Martial

Hochschule:

Technische Universität Wien

Abschluss:

Diplom

Präsentation:

17.06.2026

Lehrstuhl:

Hochbau und Entwerfen, Astrid Staufer, o. Univ.Prof.in Dipl.-Arch.in ETH BSA SIA & Thomas Sommerauer, Univ.Ass. Dipl.-Ing. BSc

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Archicad

Was, wenn eine jahrhundertealte Bauweise Antworten auf die Herausforderungen des Bauens von morgen bereithält?


Angesichts der Klimakrise muss das Bauwesen seine Umweltbelastung grundlegend reduzieren. Gleichzeitig führen steigende Anforderungen und Bauvorschriften häufig zu komplexeren und materialintensiveren Konstruktionen. Die Arbeit untersucht daher das Potenzial einfacher, traditioneller Bauweisen für eine zukunftsfähige Architektur.

Ausgangspunkt ist die historische Fachwerkbauweise, die ihre Praxistauglichkeit über Jahrhunderte bewiesen hat. Sie dient nicht als nostalgisches Vorbild, sondern als System zeitloser Prinzipien. Kennzeichnend sind die Lesbarkeit, Hybridität, Mehrfachfunktionalität sowie Reparatur- und Anpassungsfähigkeit. Hinzu kommen ein materialeffizienter Einsatz natürlicher, regionaler Baustoffe und eine hohe gestalterische Vielfalt. Ziel der Arbeit ist nicht die formale Wiederholung dieser Bauweise, sondern die Weiterentwicklung ihrer konstruktiven Logik unter heutigen Anforderungen.

Die leitende Fragestellung der Diplomarbeit wird an der Transformation eines überformten und durch unsachgemäße Modernisierungen geschädigten Fachwerkhauses mit Einfamilienhauscharakter untersucht. Seit Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach verändert, vereint dieses Fachwerkhaus unterschiedliche Zeitschichten und wird zum Experimentierfeld des Weiterbauens. Gerade an diesem scheinbar gewöhnlichen Bestandsgebäude lassen sich grundlegende Fragen exemplarisch untersuchen.

Das Einfamilienhaus wird nicht als Auslaufmodell, sondern als wertvolle Ressource verstanden. Sein großer Bestand bietet Möglichkeiten für Nachverdichtung und Transformation. Architektur wird dabei als Prozess des Weiterbauens begriffen ? als Fortschreiben vorhandener Geschichten.

Der Entwurf ergänzt den Bestand um eine neue Zeitschicht und entwickelt dessen Geschichte konsequent weiter. Bestehende Strukturen werden gezielt erhalten und dort weiterentwickelt, wo neue Anforderungen dies erfordern. Bestand und Eingriffe bilden ein stimmiges Ganzes, das bislang ungenutzte Potenziale aktiviert. Umbau und Nachverdichtung schaffen einen vielfältigen Wohn- und Arbeitsort mit diversifizierten Wohnangebot, Café und Keramikstudio.

Eine sichtbare Holz-Hanfkalk-/Lehm-Konstruktion übersetzt die Prinzipien des historischen Fachwerks zeitgemäß. Ein mehrfachfunktionaler Entwurfsansatz unterstützt diesen Gedanken. Konstruktion, Ausdruck und Nutzung werden zusammenhängend gedacht.

Die Arbeit zeigt, dass die Auseinandersetzung mit historischem Wissen und bestehenden Baustrukturen wertvolle Impulse für eine zukunftsfähige Architektur liefert. Die Zukunft des Fachwerks liegt in der Weiterentwicklung seiner Prinzipien. Verstehen, Erhalten und Weiterentwickeln werden zu zentralen Entwurfsstrategien einer Architektur des Weiterbauens. Nachhaltigkeit wird dabei nicht allein technisch, sondern als baukulturelle Haltung gegenüber vorhandenen Ressourcen, Materialien und Geschichten verstanden.


Text von Constantin von Martial.