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September / Oktober 2026

Technische Universität München

Rural Living

Flexible Wohnformen auf dem Land

von Joris Holland, Katharina Brunner

Hochschule:

Technische Universität München

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

08.07.2026

Lehrstuhl:

Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren, Lisa Schneider & Peter Hoffmann

Rubrik:

Städtebau

Software:

Archicad, Adobe Creative Cloud

Zwischen Dorfstruktur und Wandel - ein flexibles Wohnquartier für Hergensweiler


Ausgangspunkt der Bachelorarbeit ist die Frage, wie im ländlichen Raum dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden kann, ohne die räumliche Identität gewachsener Dorfstrukturen zu verlieren. Am Beispiel von Hergensweiler entwickelt das Projekt ein Wohnquartier, das den Charakter des Ortes aufnimmt und gleichzeitig neue Antworten auf veränderte Wohnbedürfnisse gibt.

Die städtebauliche Struktur orientiert sich an den bestehenden Siedlungsmustern. Eine zentrale Erschließungsachse verbindet die auslaufende Säntisstraße mit der B12 und bildet das Rückgrat des Quartiers. Entlang dieser Achse ordnen sich fünf Wohngebäude sowie ein öffentlicher Pavillon an. Lage, Ausrichtung und Höhenentwicklung der Baukörper reagieren auf die umliegende Bebauung und die Topografie: Die Gebäude staffeln sich in den Hang, fügen sich selbstverständlich in das Ortsbild ein und schaffen durch ein Netz aus Wegen vielfältige Verbindungen innerhalb des Quartiers.

Im Mittelpunkt des Entwurfs steht die Frage nach langfristig anpassungsfähigem Wohnraum. Drei unterschiedliche Gebäudetypologien reagieren auf verschiedene Lagen innerhalb des Quartiers und richten sich an unterschiedliche Nutzergruppen. Klassische Familienwohnungen werden durch Studioapartments, barrierefreie Wohngemeinschaften und flexibel zusammenschaltbare Wohnungen ergänzt. Besonders die Schaltwohnungen ermöglichen es, auf veränderte Lebenssituationen zu reagieren: Durch minimale Eingriffe lassen sich zwei Wohnungen zu einer größeren Einheit verbinden oder später wieder trennen. So entsteht Wohnraum, der sich den Bedürfnissen seiner Bewohner über Jahrzehnte anpassen kann und den Flächenverbrauch durch Neubauten reduziert.

Die Freiräume sind als fließende Übergänge zwischen öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen konzipiert. Gemeinschaftshaus, Café und zentrale Wege fördern Begegnung, während Gärten, Spielbereiche und gemeinschaftlich nutzbare Grünflächen die Nachbarschaft stärken. Anstelle klar abgegrenzter Zonen entsteht ein Quartier, das Austausch ermöglicht und zugleich Rückzugsräume bietet.

Auch konstruktiv verfolgt der Entwurf einen konsequent einfachen Ansatz. Holzrahmenbau, Holzbalkendecken und massive Kerne aus ungebrannten Lehmsteinen bilden ein robustes, ressourcenschonendes Tragwerk. Sichtbare Materialien, einfache Details und eine zurückhaltende Architektursprache prägen die Gebäude. Terrassen und Laubengänge bilden eine leichte äußere Hülle, die als konstruktiver Sonnenschutz dient und den Häusern eine feine räumliche Tiefe verleiht.


Text von Joris Holland und Katharina Brunner.