September / Oktober 2026
REVERSIBLE
Ausgrabungsstätte in Köln
Technische Universität München
Bachelor
17.07.2026
Chair of Architecture and Construction, Prof. Jeannette Kuo
Kulturbauten
VectorWorks, Blender, Adobe CC
Auf dem belebten Heumarkt in Köln entsteht über einer archäologischen Ausgrabungsstätte eine reversible Struktur, die teilweise auf einem Parkhaus und teilweise auf dem gewachsenen Boden steht. Ausgangspunkt für das Projekt ist die Frage, wie mit möglichst wenig Material eine belastbare, rückbaubare, reparierbare und erweiterbare Konstruktion entstehen kann. Stahl ermöglicht durch seine hohe Leistungsfähigkeit schlanke Querschnitte während Seile ihn als flexibles Zugmittel ergänzen und die Konstruktion über Zugverbindungen verstärken.
Aus dieser Materialkombination wird zunächst ein konstruktives Regalsystem entwickelt. In einer ersten Übung lassen sich Regalfächer über einen händisch verstellbaren Flaschenzug in ihrer Höhe verändern. Dabei werden bewegliche, übergeordnete und lokale Verbundsysteme als miteinander verknüpfte Regeln entwickelt.
Dieses Prinzip wird in einen konstruktiven Knoten übersetzt. Ein maßgeschneidertes Stahlteil verbindet vier H-Lochträger mit mehreren übereinandergestapelten Stahlstützen. Die Träger werden über ein Stecksystem mit dem Knoten verbunden. An diesem greifen die Zugseile an, die den Knoten versteifen und die Stütze konstruktiv verstärken. Die Stahlstützen werden in 3,5 m lange Einzelstücke geteilt. So können sie als handhabbare Bauteile angeliefert, vor Ort gesteckt und später wieder demontiert werden.
Aus der lokalen Logik des Knotens entwickelt sich das horizontale Tragwerk. Jede zweite Stütze wird durch einen Unterzug unterspannt. So entsteht ein diagonales Raster, das mit wenigen Auflagerpunkten auskommt, den Boden nur minimal berührt und Blickachsen über die Ausgrabungsfläche und den Stadtraum offenhält.
Räumlich versteht sich die Konstruktion als Dach über der Ausgrabungsstätte. Sie spannt eine neue, vom Boden abgelöste Ebene auf, in der geforscht, gearbeitet und ausgestellt werden kann. Der Stadtraum und die archäologische Situation im Erdgeschoss bleiben weitgehend unberührt.
Die vertikale Erschließung hängt als eigenständiges Element in der Tragstruktur. Eine Treppe führt die Öffentlichkeit nach oben, eine zweite Verbindung dient den Forschenden. Ergänzt werden beide durch einen temporären Aufzugsschacht aus Stahl, der bei Bedarf erweitert oder entfernt werden kann.
Die Struktur bleibt thermisch kalt. Nur dort, wo klimatische Bedingungen erforderlich sind, werden Labore, temperierte Schaulager und Büros eingefügt. Sie bestehen aus transluzenten Polycarbonatplatten, die diffuses Tageslicht zulassen und die Ausstellungsfläche vor der Witterung schützen. Das Tragwerk bleibt offen und öffentlich zugänglich während nur die klimatisierten Räume abschließbar sind.
Text von Aidan Kolland, David Claassen, Jakob Lechner.