September / Oktober 2026
From Swamp to Structure
Eine Rohrkolbenplattenfabrik als Impuls regenerativer Baukultur an der Berliner Spree
Technische Universität Delft
Master
15.01.2026
Architectural Engineering; Tutors: Olga Ioannou, Mo Smit, Lex Deudekom
Städtebau
Archicad, Indesign, Illustrator, Photoshop, Twinmotion; Visoid , GIS
Was wäre, wenn Architektur mit einer Pflanze statt mit einem Plan beginnen würde? Wenn Bauen nicht mit der Gewinnung endlicher Ressourcen, sondern mit der Regeneration einer Landschaft beginnt? From Swamp to Structureversteht Architektur als Teil eines ökologischen Kreislaufs, in dem Landschaft, Material und Gesellschaft untrennbar miteinander verbunden sind.
Der Name Berlin leitet sich aus dem Polabischen ab und bedeutet "Ort im Sumpf". Einst prägten Moore und Feuchtgebiete die Region; über Jahrhunderte wurden sie systematisch entwässert, um Landwirtschaft und Stadtentwicklung zu ermöglichen. Heute sind rund 93 % der Moore in Berlin und Brandenburg trockengelegt und zählen zu den größten vermeidbaren CO2-Quellen der Region.
Das Projekt versteht diese Landschaften nicht als verloren, sondern als Ausgangspunkt einer neuen Baukultur. Im Zentrum steht die Paludikultur - die Bewirtschaftung wiedervernässter Moore. Dort wächst Rohrkolben (Typha), eine Pflanze, die sich zu leistungsfähigen Dämmstoffen und Bauplatten verarbeiten lässt. Landschaft wird zu Material, Material wird zu Architektur.
Am Ufer der Spree entsteht eine Rohrkolbenplattenfabrik als Bindeglied zwischen Moor und Stadt. Der geerntete Rohrkolben wird über den Wasserweg angeliefert und in einer umgenutzten Industriehalle der 1980er-Jahre verarbeitet. Die Fabrik ist mehr als Produktionsort - sie wird zum Demonstrator eines regenerativen Materialkreislaufs, in dem Herstellung, Forschung und Anwendung unmittelbar zusammenwirken.
Ein mäandernder Neubau ergänzt das Ensemble um Bildungsräume, Forschungslabore und gemeinschaftliche Wohnbereiche für Forschende und Landwirt*innen. Das offene Erdgeschoss gibt das Ufer der Öffentlichkeit frei und erweitert den Stadtraum um ein Feuchtbiotop, das Regenwasser speichert, das Mikroklima verbessert und Berlins ursprüngliche Landschaft wieder erlebbar macht.
From Swamp to Structure zeigt, wie Architektur zur Vermittlerin zwischen ökologischer Regeneration und Baukultur werden kann. Das Projekt schlägt eine regionale Wertschöpfungskette vor, in der die Wiedervernässung von Mooren als Ausgangspunkt für neue Materialien, neue Produktionsformen und eine Architektur, die ihre Ressourcen aus den Landschaften bezieht, die sie zugleich schützt und erneuert.
Text von Josephine Beger.