September / Oktober 2026
(K)ein Holzweg
Eine neue Waldfabrik für Seebach
Bauhaus-Universität Weimar
Master
08.04.2026
1. Professur: Bauformenlehre, Prof. Bernd Schmutz; 2. Professur: StadtRaumEntwerfen, Jun. Prof. Dr. Dorothee Rummel
Bildungsbauten
ArchiCad, InDesign, Illustrator, Photoshop, Ponnie.ai
(K)ein Holzweg: Eine neue Waldfabrik in Seebach
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Umgang mit Leerstand in schrumpfenden Gemeinden am Beispiel des ehemaligen Eurochron-Areals in Seebach, Thüringen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie ein identitätsstiftender Ort, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat, durch eine neue Nutzung wieder Bedeutung für das Dorf und die gesamte Region gewinnen kann.
Das ehemalige Uhrenwerk wird dabei nicht als isolierter Solitär gedacht, sondern als räumlicher Anker zwischen Dorf, Landschaft und regionaler Infrastruktur. Statt einfach eine weitere klassische Dorffunktion draufzusetzen, entwickelt der Entwurf eine Nutzung, die unmittelbar aus den Potenzialen des Ortes selbst hervorgeht. So entsteht mit der Waldfabrik ein Ausbildungs- und Kompetenzzentrum für Aufforstung, Holzverarbeitung und Waldumbau, das den Herausforderungen des Thüringer Waldes eine räumliche Antwort gibt und zugleich bestehende regionale Akteure miteinander verknüpft.
Der Bestand wird als Ressource verstanden. Die charakteristische Stahlbetonstruktur bleibt erhalten und bildet den Rahmen für die neuen Nutzungen. Die neuen Interventionen werden in Holzbauweise ausgeführt und setzen dabei auf neu entwickelte Holzverbindungen. Werkstätten, Lehre und Gewächshaus machen das Areal zu einem Produktions- und Bildungsort, während Wohnungen, Hostel und gemeinschaftliche Bereiche dauerhaftes Leben dorthin bringen. Im Inneren wird die vorhandene Stützenstruktur zum ordnenden Element des Entwurfs. Die Stütze rückt als räumliches Motiv in den Mittelpunkt und ermöglicht über den dazwischen entstehenden Stützenraum eine flexible Erschließung der unterschiedlichen Nutzungen. Ausstellung und Gastwirtschaft öffnen den Ort schließlich für die Öffentlichkeit und machen ihn zu einem neuen Mittelpunkt für Seebach.
Der Rückbau einzelner Gebäudeteile schafft einen neuen öffentlichen Auftakt zum Areal, während der Innenhof als gemeinschaftlicher Erschließungsraum die unterschiedlichen Nutzungen miteinander verbindet. Ein neuer Turm markiert die Waldfabrik als sichtbaren Orientierungspunkt und macht die Beziehung zwischen Dorf und Wald räumlich erlebbar.
Die Arbeit versteht die Reaktivierung des Eurochron-Areals nicht als bloße Umnutzung eines Industriegebäudes, sondern als Chance, die regionale Identität des Thüringer Wald wieder zu stärken. Die Waldfabrik verbindet Produktion, Bildung, Wohnen und Landschaft zu einem Ort, der Bestehendes weiterdenkt und neue Perspektiven für das Dorf eröffnet.
Text von Anna-Luise Kupski, Lisa Marie Sittig, Marie Louise Steffens.