September / Oktober 2026
WEITERLEBEN.
Vom Hochschulbau zum Stadtbaustein.
Leibniz Universität Hannover
Master
14.07.2026
Erstprüfer: Prof. André Kempe (Institut für Entwerfen und Gebäudelehre) | Zweitprüfer: Prof. Dipl.-Ing. Tim Rieniets (Institut für Entwerfen und Städtebau)
Bildungsbauten
Archicad, SketchUp, Twinmotion, Photoshop
Der Leerstand universitärer Großstrukturen ist eines der drängendsten Themen der deutschen Stadtentwicklung. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden bundesweit Hochschulgebäude nach denselben Prinzipien: modular, rationell, für eine einzige Institution gebaut. Jahrzehnte später zeigen sie denselben Verfall: veraltete Technik, Schadstoffbelastung, kein Bezug zur Stadt. Abriss gilt als schnellster Weg.
Der Schweger-Bau in Hamburg-Bergedorf steht stellvertretend für diese Generation. 1964 gewannen Schweger und Graaf den Wettbewerb, 1972 wurde das Gebäude als einer der modernsten Hochschulbauten Norddeutschlands eröffnet. Kurt A. Körber hatte den Bau maßgeblich gefördert. Das strenge 9,60-Meter-Raster aus Stahlbeton, getragen von charakteristischen Pilzkopfstützen, überlebt jeden Nutzer. Ab 2030 zieht die Fakultät Life Sciences nach Oberbillwerder.
Ein Abriss wäre ein ökologischer Fehler. Laut einer Studie des Wuppertal Instituts verursacht eine energetische Sanierung nur die Hälfte der CO2-Emissionen eines Neubaus. Mit dem Auszug der Hochschule fallen die hohen Laborlasten weg, die neuen Terrassenmodule bleiben innerhalb der Tragkapazität des Bestands. Das Gebäude bietet sich sehr gut für eine Transformation an.
Von der Analyse über den gezielten Rückbau bis zur Ergänzung durch Glasdach und neue Eingangskuben entsteht ein Gebäude das sich öffnet. Neue Fugen schaffen Bewegungen von West nach Ost, ein Wechsel zwischen innen und außen der an eine städtische Abfolge erinnert. Das Programm verteilt sich auf Wohnen, Kultur, Gesundheit, Bildung und Werkstatt. Das Erdgeschoss wird zum öffentlichen Ort des Stadtteils. Die Stadt ist ins Gebäude eingezogen.
Was hier in Bergedorf erprobt wird, gilt nicht nur für diesen einen Bau. Viele Hochschulgebäude dieser Generation stehen heute vor derselben Entscheidung. Die Frage ist nicht ob sie transformiert werden können, sondern ob der Wille dazu besteht.
Das Programm wechselt.
Die Struktur bleibt.
Text von Daniel Afriyie Owusu.