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November / Dezember 2022

Technische Universität Graz

WeissenHOCH Siedlung

Stuttgarts sensibler Gigant

von Lea Zinnbauer

Hochschule:

Technische Universität Graz

Abschluss:

Diplom

Präsentation:

13.06.2022

Lehrstuhl:

Institut für Gebäudelehre

Rubrik:

Städtebau

Software:

Archicad, Rhino, Indesign, Photoshop, Illustrator

Megastrukturen verkörpern sensible Giganten, deren Planung viel Feingefühl erfordern. Der Blick in die späten 1970er Jahre lässt keinen Grund zur Hoffnung, dass die Großbauten noch einmal Einzug in die heutige Stadtplanung finden: Dennoch versuche ich mich - 50 Jahre später - mit meinem Entwurf erneut an einem Prototyp und möchte aufmerksam machen, dass moderne Megastrukturen gerade heute eine zukunftsweisende Stadtplanungsoption darstellen. In einer Stadt wie Stuttgart prallen Welten aufeinander: Neben einem urbanen Gefüge mit hoher internationaler, sozialer, religiöser und kultureller Durchmischung zeichnet sich die Stadt durch zahlreiche Entwicklungsgebiete aus. Großes Potential birgt auch das Ufer des Neckars, wo im Zuge der IBA’27 - 100 Jahre nach Entstehung der Weissenhofsiedlung - versucht wird, die Innenstadt mit dem angrenzenden Stadtteil Bad Cannstatt zu verbinden. Der Zugang zum Neckar ist durch unzählige Gewerbegebiete, Arbeiterquartiere und ein Straßen-/ Sc
 hienenverkehrsnetz seit dem 19. Jh. fast unmöglich. Erst in den letzten Jahren wird der Fluss immer mehr als Teil der Stadtlandschaft wahrgenommen und die damit einhergehenden Qualitäten neu entdeckt. Vorrangiges Ziel der Masterarbeit ist es, negative Auswirkungen der Stadtentwicklung wie die Gentrifizierung oder flächenversiegelnde Urbanisierung zu minimieren; essenziell ist neben der Verkehrsplanung eine stimmige Balance der Bebauungs- sowie Flächennutzung, welche sich mit der Abstimmung von privat, kommerziell und öffentlich genutzten Bereichen befasst. Genannte Parameter finden ihren Höhepunkt in einem verdichteten und durchmischten Gefüge - der Megastruktur: Dieser autarke Baukörper stellt horizontal angeordnete Stadtstrukturen in Frage und versucht ein lebenswertes Miteinander von Wohnen und Arbeiten anzubieten. Dies bedingt, dass der Fußabdruck des Entwurfs auf ein Minimum reduziert wird. Der Entwurf macht sich bestehende Gegebenheiten zu Nutze und fügt sich in die
 umliegende Umgebung stimmig ein: Das 1,8 km lange, 32,6 m breite und 75 - 82 m hohe Gebäude positioniert sich direkt über der bauplatzprägenden Bundesstraße (B10/14). Es vermittelt somit zwischen bestehenden und neu geschaffenen Parkanlagen, Freizeitflächen, Anbauflächen und attraktiven Aufenthaltszonen am Ufer. Die Gebäudekontur folgt dem Verlauf des Neckars und entschärft die derzeitig vorhandene Barriere zwischen Stadt und Fluss. Um einem Verlust der Individualität innerhalb der Megastruktur entgegenzuwirken, ist die Fassade von einem rhythmischen Raster geprägt und verleiht dem großen Volumen Ruhe. Im Inneren hingegen ermöglicht das Tragwerk eine flexible und offene Grundrissgestaltung, welche mittels einer Grundrissfibel einen Pool an Wohnungsgrundrissen bereitstellt. So entsteht ein identitätsstiftender, (nutzungs- und sozial-) durchmischter sowie lebendiger Stadtteil, der ausreichend Platz für das gemeinschaftliche Leben bietet, aber auch dem Wunsch nach privatem Rückzug gerecht wird.
Text von Lea Zinnbauer.