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November / Dezember 2022

Universität der Künste, Berlin

B8 - Oder Watt?

Gescheiterte Gewerbebauten der 2000er Jahre weiterdenken

von Valentin Billhardt

Hochschule:

Universität der Künste, Berlin

Abschluss:

Master

Präsentation:

18.10.2022

Lehrstuhl:

Entwerfen und Baukonstruktion III

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

ArchiCad, Photoshop, InDesign, Unreal Engine 5

Im Düsseldorfer Stadtteil Flingern Süd wird 2010 das Fachmarktzentrum „B8-Center“ errichtet: Ein 200m langer Zweckbau aus Beton-Fertigteilen.Die städtebauliche Setzung, die Architektur und die Funktionen stießen schon beim Bau auf wenig Gegenliebe im Viertel. Nun soll das über 200m lange Gebäude nach nur zwölf-jährigen Bestehen abgerissen werden. Das umliegende Viertel besitzt eine lebhafte Industrie- und Kulturgeschichte. Alte Fabrikhallen aus dem 19. Jahrhundert wurden häufig neuen Funktionen zugeführt, baufällige Altbauten von kreativen Menschen besetzt.
Das B8-Center ist kein charmanter, alter Industriebau.
Die Suche nach neuen Funktionen,möglichen Aufbauten und räumlichen Potentialen in diesem unbeliebten Bestandsbau bildeten die Grundlage für die Arbeit:
B8, oder watt?

Die Architektur des B8-Centers ist charakterisiert durch lange, meist geschlossene Klinkerwände, große Zufahrtsrampen und vorgebaute Stahlkonstruktionen, welche der Verschattung oder der Erschließung dienen. Die unterschiedlichen Verkaufsräume werden
durch eigene Eingänge erreicht, alles ist in einem Gebäude vereint, aber dennoch vollkommen zusammenhangslos. Die schlechte öffentliche Durchwegbarkeit machen das lange Gebäude zu einer stadträumlichen Barriere, welche nur Aufwendig umlaufen werden kann.
Diesen Mängeln entgegenzuwirken war eine Hauptaufgabe des Entwurfs. Neue, diverse Funktionen, welche miteinander in Beziehung stehen, treten an Stelle der wenigen, nach innen gekehrten Großfunktionen. Es werden neue Wege und Passagen auf verschiedenen Ebenen geschaffen, durch welche der Komplex durchquert werden kann.
 
Im Süden öffnet sich as neue B8-Center öffnet sich mit Bars und Restaurants hin zur Straße. So entsteht ein neuer „Gastrohof“. Im darunterliegenden Geschoss können Flächen für Sporthallen geschaffen werden, da viele der in der Nähe liegenden Schulen keine eigenen Sportanlagen besitzen.Außerdem entsteht in den Bestandsräumen ein Gemeindezentrum mit Seminarräumen, Proberäumen für Musik und Theater und handwerklichen Einrichtungen, welches von NachbarInnen und neuen BewohnerInnen gleichermaßen genutzt werden kann.
Im mittleren Gebäudeteil entsteht ein neuer Hof. Im Erdgeschoss eingefasst von dem Gemeindezentrum, sowie Werkstätten und Wohn-Ateliers. Diese werden in die bestehende Betonstruktur integriert. Darüber werden zwei Wohnriegel vollständig in Holzbau realisiert.
Hier war das Ziel eine große Anzahl verschiedener Wohntypologien zu schaffen.

Flingern-Süd ist jetzt schon ein beliebtes Wohnviertel bei StudentInnen. Bisher gibt es hier allerdings keine institutionellen Angebote für frei verfügbaren Lernraum.
Dies soll durch die Umnutzung von zwei Geschossen in ein Lernzentrum am nördlichen Ende des B8 Centers geändert werden. Formale und informelle Lernräume sind über zwei Geschosse voneinander getrennt und durch ein im Erdgeschoss gelegenes Kletterzentrum visuell miteinander verbunden.
Text von Valentin Billhardt.