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November / Dezember 2022

Technische Universität München

Europa

Haus der Künste | Sevilla

von Anne Silberzahn

Hochschule:

Technische Universität München

Abschluss:

Master

Präsentation:

11.10.2021

Lehrstuhl:

Lehrstuhl für Städtische Architektur

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

Vectorworks

Das Haus der Künste vereint in sich Museum und offene Werkstatt. Somit wirkt es als öffentliches Gebäude integrativ, bietet Räume der Begegnung für die Anwohner des Quartiers und ermöglicht die Beteiligung der Stadtgesellschaft. Die Besucher können die Kunst nicht nur passiv konsumieren, sondern am Schaffensprozess der Künstler teilhaben und selbst schöpferisch tätig werden. Das Projekt reagiert zudem in besonderer Weise auf die Lage im historischen Stadtkontext und die klimatischen Bedingungen.

Der Bau hält zur angrenzenden historischen Stadtmauer gebührend Abstand und ergänzt die urbane Altstadtbebauung. Es entsteht ein Hortus conclusus als Ruhepol in der Hektik und Hitze der Stadt. Im Garten für alle Sinne spenden Bäume Schatten; Blätter rauschen und Vögel singen zwischen süß blühenden Obstbäume und herb duftenden Kräutern. Die Bepflanzung orientiert sich an der historischen Nutzung des Ortes als Obstgarten. Das milde Klima ermöglicht die Anzucht von z.B. Bitterorange, Mandel, Granatapfel, Loorbeer und Olive, Lavendel, Thymian, Salbei, Pfefferminze und Rosmarin. Die Pflege und Ernte erfolgt im Rahmen eines Urban Gardening Projektes durch die Anwohner. Der Charakter des Gartens als kleines Stück Natur bleibt erhalten durch sein offenes Layout ohne große versiegelte Flächen und mit durchmischten Pflanzungen.

Auf den Eingangsbereich folgt ein großzügiges Foyer, das alle Gebäudeteile verknüpft. Der Saal orientiert sich zum Garten. Das Café verfügt über überdachte Außenplätze und besitzt wie der Saal einen eigenen Zugang. Der Ausstellungsbereich manifestiert sich als steinernes Kontinuum entlang einer Abfolge verschiedener räumlicher Situationen, mal enger, mal weiter, mit Ausblicken oder introvertiert und mit stets wechselndem Lichteinfall. Der offene Grundriss detailliert sich zur Gartenseite hin allmählich aus und ermöglicht eine flexible Ausstellungsgestaltung. Die zweite Ebene kann optional für Sonderausstellungen Verwendung finden. Die Verwaltung ist als offene Bürowelt gestaltet. Im obersten Geschoss liegen die Werkstätten. Sie gruppieren sich rund um einen teilweise offenen Werkhof, der ein Arbeiten im Freien ermöglicht. Dieser Bereich wird von aufgesetzten Tonnendächern überspannt, die einerseits eine angenehme indirekte Beleuchtung ermöglichen, andererseits die Werkstätten als Herz des Hauses gestalterisch betonen.

Das Gebäude ist an die klimatischen Bedingungen in Sevilla angepasst. Die Räume sind hoch und die Massivbauweise trägt zur Kühlung bei. Die Fassade richtet sich in ihrer Ausgestaltung nach den Lichtverhältnissen. Große Fensterflächen befinden sich nur im Norden; im Westen und Süden sorgen Überstände für die Verschattung der dahinter angelegten Balkonschichten. Lochmauerwerk sorgt für Lichteinfall ohne zu hohe solare Einträge und erzeugt im inneren ein atmosphärisches Spiel aus Licht und Schatten.
Text von Anne Silberzahn.