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November / Dezember 2022

Universität Stuttgart

UTOPIE? – Umnutzung einer Bohrinsel

Autarke Meeresforschung statt Ölförderung

von Dennis Bui, Lucca Brüggemann

Hochschule:

Universität Stuttgart

Abschluss:

Master

Präsentation:

05.05.2022

Lehrstuhl:

Institut für Raumkonzeption und Grundlagen des Entwerfens | Professor Markus Allmann

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Vectorworks, Rhinoceros 3D, Adobe Photoshop, V-Ray

Ein Großteil des Ölreservoirs ist bereits erschöpft oder wird in den kommenden Jahren aufgebraucht sein. Gleichzeitig vollzieht sich momentan ein Wandel in der Energie- und Stromgewinnung hin zu umweltfreundlichen Alternativen. Daher werden in Zukunft zahlreiche Bohrinseln das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen.

Ein Rückbau ist sowohl aufwendig als auch teuer, weshalb die großen Unternehmen häufig in der Kritik stehen, da sie die Bohrinseln in der Nordsee ungenutzt stehen lassen möchten. Mit der Umnutzung zeigen wir eine umweltschonende Alternative zum kompletten Rückbau auf.

Die umzunutzende Plattform „Troll A“ befindet sich im norwegischen Sektor der Nordsee und ist die bisher größte Bohrinsel weltweit. Als neue Nutzung soll der „Troll A“ eine Meeresforschungsstation zugeführt werden.
Die Umnutzung der Plattform sieht den Erhalt der vier Betonstützen sowie des kreuzförmigen Unterdecks vor. Die vier Betonstützen übernehmen dabei die Grundversorgung der Plattform. Jede Stütze übernimmt eine Kernfunktion aus Nahrung - Lüftung - Wasserversorgung - Energie. Somit bilden die Stützen sowohl konstruktiv als auch konzeptionell das Fundament für den Entwurf. Ergänzt wird der Bestand durch eine additive Aufstockung verschiedener Gebäudekubaturen.

Der Hauptentwurf der Forschungsstation richtet sich in seiner konzeptionellen Gestaltgebung maßgeblich nach den Gegebenheiten der Bestandsstruktur. Jedem Pol der kreuzförmigen Grundstruktur wird eine der vier Nutzungen Arbeit - Wohnen - Freizeit - Park zugewiesen. Dabei entsteht eine Mischung aus geschlossenen Volumen, geschützten Glasstrukturen und permanenten Freibereichen. Jedes Gebäude wird dabei im Grundriss nach seiner jeweiligen nutzungsspezifischen und archetypischen Grundrissstruktur ausgebildet.
- Das Forschungsgebäude als Dreibund
- Das Freizeitgebäude als Zentralbau mit Atrium
- Der Wohnbau als eine offene Blockrandstruktur mit innenliegender Laubengangerschließung
- Der geschützte Park als klassische Glashausstruktur
Das bestehende Unterdeck greift in seinen Nutzungen die oberen Funktionen auf.
Die unterschiedliche Ausbildung der Baukörper spiegelt sich auch in der Fassadengestaltung wider. Aufgrund der klimatischen Bedingungen haben wir uns bei der Fassadenverkleidung für ein widerstandsfähiges Profilblech entschieden. Neben den konstruktiven Vorteilen stärkt es zudem den industriellen Charakter der Plattform.

Da es sich bei der Forschungsstation um ein Offshore-Gebäude handelt, sind die Baukörper bewusst klar gehalten und zeichnen sich durch orthogonale Grundformen aus, um einen einfachen Aufbau und modulare Konstruktionen aus Holz zu gewährleisten.

Gerade in einer Zeit in der das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft immer stärker an Bedeutung gewinnt, kann die Umnutzung von Bohrinseln als Symbol für den Wandel weg von der Industrie hin zu klima- und umweltfreundlichen Alternativen stehen.
Text von Dennis Bui und Lucca Brüggemann.