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November / Dezember 2022

Technische Universität Braunschweig

SOS Kinderdorf

Ein Hafen für Familien

von Leonie Zimmerningkat

Hochschule:

Technische Universität Braunschweig

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

10.03.2022

Lehrstuhl:

IKE Prof. Carsten Roth

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Rhinoceros, Photoshop

Die Organisation SOS Kinderdorf expandiert in den letzten Jahren vermehrt auch innerstädtisch. Als Symbol dieser Evolution soll ein neues Flaggschiff im Duisburger Dellviertel entstehen. Die Einrichtung soll primär ein neues Zuhause für schutzbedürftige Kinder schaffen. Zudem sollen eine Kindertagesstätte und verschiedene Beratungs-, Verwaltungs-, und Freizeitangebote im neuen Kinderdorf Platz finden. Die zum Teil vulnerable Zielgruppe setzt dabei besonderes Feingefühl im Umgang mit Architektur und Umgebung voraus. Städtebaulich gleicht die Umgebung um den Dellplatz einem eklektischen Flickenteppich aus Blockrandbebauung und lieblos geplanten Nachkriegsbauten. Dem  gegenüber setze ich mit einem nach außen verschlossenen Baukörper gezielt dort Öffnungen, wo sich der Blick lohnt. Davon abgesehen verbirgt die Fassade ihr Inneres, lockt den Besucher jedoch über zwei sich trichterförmig aufmachende Höfe hinein. Erschließung und Erleben des Baukörpers erfolgt ausschließlich über die „Innenkubatur“. So entsteht ein eigenständiges „Dorf“ inmitten von Duisburg. Um die Nachbarbebauung nicht zu beeinträchtigen, bäumen sich Nord- und Südtrakt des Baus gegeneinander auf – bilden eine Art Wiege und wahren so den Abstand zum südlichen Schulkomplex. Die so entstehenden Hochpunkte schaffen städtebauliche Verbindungen nördlich zum Hospital und östlich zur Kirche. Der Entwurf soll das SOS Kinderdorf als etablierte Instanz mit Selbstbewusstsein und Haltung repräsentieren und gleichzeitig einen neuen Ankerpunkt und Hafen für Familien im Dellviertel schaffen. Außerdem soll Neugierde und Entdeckergeist von Jung und Alt angeregt werden. All dies geschieht über ein ganzheitlich erlebbares Gebäude im Innen- wie Außenbereich sowie einer begehbaren Dachwelt mit verschiedenen (halb-)öffentlichen Angeboten. Die monolithisch anmutende Außenfassade aus vertikalen Holzlamellen steht im deutlichen Kontrast zur Pfosten-Riegel-Konstruktion, welche die gesamte „Innenkubatur“ umschmiegt. Einmal die „harte Schale“ überwunden, werden Innen und Außen in den Höfen eins – eine eigene Welt von Transparenz und Offenheit tut sich auf. Zur Orientierung und Raumstrukturierung dienen je fünf farbige tragende Kerne in Nord- und Südtrakt an deren zum Hof gekehrten Seiten Erschließungen sowie sämtliche offene Funktionen stattfinden. Treppen und Wege sind dabei mehr als Flure – es entstehen Orte der Begegnung durch sich aufweitende Flächen und „Taschen“, die zum Verweilen einladen. Obgleich der intuitiven Wahrnehmung als ein allumfassend zu erschließender Komplex gibt es geschützte Bereiche, welche der Öffentlichkeit verwehrt bleiben. So muss gewährleistet werden, dass hier wohnhafte Kinder ungestört des Trubels ihre eigenen Rückzugsorte aufsuchen können. In seiner Gesamtheit mache ich mit meinem Entwurf für das SOS Kinderdorf in Duisburg einen Vorschlag für einen neuen Ankerpunkt im Dellviertel, einen Ort zur freien Entfaltung in geschützter Umgebung und einen Hafen für Familien.
Text von Leonie Zimmerningkat.