Januar / Februar 2026
Technische Universität München
SALT WATER CLAY
Bioregionales Bauen in West-Jütland
Technische Universität München
Master
08.10.2025
Architektur und Design (Prof. Niklas Fanelsa)
Hybride Nutzung
Archicad, Rhino, Keyshot, Illustrator
SALT WATER CLAY ist ein architektonisches Forschungs- und Entwurfsprojekt, das untersucht, wie regionale Rohstoffe - insbesondere lokaler Boden - in Westjütland als nachhaltige Baumaterialien für ein neues Nachbarschaftszentrum im heterogenen Stadtteil International Kvarter in Esbjerg genutzt werden können.
Ausgangspunkt des Projekts ist eine umfassende Analyse der Bioregion und ihrer geologischen, klimatischen und sozialen Bedingungen. Da an dem Standort ein Regenwassersee mit Retentionsfunktion geplant wird, wurde insbesondere untersucht, wie das Aushubmaterial für dieses Bauvorhaben als Bauressource genutzt werden kann. Dafür wurden in Kollaboration mit Bauhaus Earth umfangreiche Baunorm-relevante Analysen und Tests der lokalem Lehmböden durchgeführt, die schließlich in ein konkretes architektonisches Ensemble mündeten.
Zentrales Element des Projekts ist ein offenes, multifunktionales Nachbarschaftszentrum, das als gemeinschaftsstiftender Knotenpunkt und Ort der Begegnung konzipiert ist. Das Gebäude basiert auf dem innovativen Konzept einer zirkulären, in sich selbst geschlosseneren "Feld-Fabrik" zur Herstellung von Lehmbausteinen aus dem Aushubmaterial des Rückhaltebeckens direkt vor Ort. Sämtliche Bauteile des Pavillons sind zugleich Teil dieser vorangegangenen Produktionsinfrastruktur.
Nach Abschluss des Bauprozesses werden die Werkhallen nicht rückgebaut, sondern weitergenutzt und der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Dadurch entsteht eine dauerhafte bauliche Reminiszenz an den kollektiven Herstellungsprozess und eine starke lokale Identität.
Angeschlossene Gewächshäuser, die zunächst für die solare, klimaneutrale Trocknung der Lehmsteine genutzt werden, übernehmen im späteren Betrieb eine passive klimatische Funktion. Sie leiten im Winter solare Wärme in das Gebäude und ermöglichen im Sommer durch den Kamineffekt eine effektive natürliche Belüftung.
Ergänzt wird das Nachbarschaftszentrum durch ein aus drei Baukörpern bestehendes Studierendenwohnheim mit 90 Mikroapartments, das die benachbarte Universität ergänzt. Die durch Laubengänge erschlossenen Wohnungen ermöglichen durch eine zweigeteilte Raumstruktur, sowie eingestellte, von der Konstruktion losgelöste Badmodule einen hohen Wohnkomfort auf minimalem Raum.
Konstruktiv basiert das Ensemble auf einer hybriden Struktur: Zum einen aus lastabtragenden Lehmsteinen, die in der Feldfabrik gefertigt werden. Zum anderen im EG aus wiederverwendeten Stahlbetonsegmenten ehemaliger Windkrafttürme, die im nahegelegenen Hafen antransportiert werden. Diese Türme können aufgrund der begrenzten Lebensdauer anderer Windrad-Komponenten nicht länger für die Energieproduktion genutzt werden und erhalten hier eine neue konstruktive Funktion. Die drei Gebäude des Ensembles fassen einen zentralen Platz, der durch öffentliche und gemeinschaftliche Nutzungen im Erdgeschoss aktiviert wird.
Das Projekt versteht Architektur als zirkuläres Gefüge aus Material, Raum und Gemeinschaft – fest verankert im Ort.
Text von Tobias Trübenbacher und Tilmann Gebauer.