Platz 3
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Januar / Februar 2026

Technische Universität Berlin

Und hinter tausend Hecken... Eine neue Welt!

Der kleinstmögliche Eingriff: Das Gespräch als erster Akt der Transformation

von Luisa Fiedler

Hochschule:

Technische Universität Berlin

Abschluss:

Master

Präsentation:

31.10.2025

Lehrstuhl:

FG Architektur der Transformation, Prof. Nanni Grau

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Creative Cloud

Die Arbeit ist eine sozioräumliche Betrachtung des Eigenheims. Sie ergänzt den Diskurs um eine wesentliche, bislang fehlende Perspektive. Sie rückt die Bewohner:innen in den Fokus. Sie betrachtet als Kleinstmöglichen Eingriff den konkreten Kontext, die Lebensrealitäten vor Ort. Die Arbeit ist der erste Akt der Transformation.


Die explorative Feldforschung bildet nach Analyse zu Historie und Diskurs den zentralen Teil der Arbeit und findet im größten, zusammenhängenden Einfamilienhausgebiets Deutschlands im Osten Berlins statt.

Das Spannungsverhältnis von Mensch und Raum ist insbesondere im Kontext des Eigenheims komplex und gleichzeitig wesentlich. Die Feldforschung verfolgt demnach zwei Ziele: Zum einen ist sie der Versuch einer Dokumentation aktueller Lebensrealitäten im Eigenheim. Der Versuchsbegriff steht dabei im Zentrum, die Gesprächsmethodik wird explorativ und prozesshaft im Verlauf der Feldforschung entwickelt. Das zweite Ziel ist die fotografische Inventur der Wohnform vor ihrer Transformation als räumliche Bestandsaufnahme des suburbanen Kontexts. Ergebnis sind über 50 Lebensrealitäten und 30 Bildgruppen, die Erkenntnisse für eine zukunftsfähige Transformation der Wohnform darlegen.

Die Praktik des Wohnens besteht aus vielen Ritualen und Mustern und in Abhängigkeit zum Gegenständlichen. Sie ist Ausdruck der eigenen Identität und Kultur. Das narrative Gesprächsformat mit der Frage "Können Sie mir beschreiben, wie sie wohnen?" resultiert in diversen und emotionalen Inhalten. Die Bewohner:innen sprechen von ihren Wünschen, Sorgen, Vergangenheit und Zukunft und von Familiengeschichten und setzen das Gesagte in Bezug zu dem Haus, in dem sie leben. Die seit meist langer Zeit erstmalige Reflexion der eigenen Wohnpraktik das Ergebnis vieler Gespräche. Die Auseinandersetzung mit den Menschen und ihren Räumen ist demnach nicht nur für Planer:innen, sondern auch für die Bewohner:innen selbst bereichernd. Der Austausch ermöglicht neue Perspektiven und erste Impulse zu Veränderung. Die zukunftsfähige Transformation des Eigenheims beginnt im sozialen Austausch. Das Gesprächsangebot ist der Kleinstmögliche Eingriff. Es ist der erste Akt der Transformation.

Die Auswertung findet in den Betrachtungsebenen Raum, Zeit und Mensch statt. Die fotografische Inventur des Raumes, die zeitliche Betrachtung im erarbeiteten Eigenheimzyklus sowie die soziale Interaktion mit Bewohner:innen und die daraus resultierende Gesprächsmethodik sind die drei Vorgehensweisen, die zur ganzheitlichen Betrachtung der Wohnform führen.

Die Erkenntnisse der Arbeit sind wesentlicher Beitrag in einem aufgeladenen Diskurs voller Kritik und räumlicher Zukunfsvisionen und bislang fehlenden, realitätsnahen Umsetzungsstrategien. Die Lösung zur Verbesserung des Ist-Zustands darf nicht automatisch das Bauen sein. Ziel ist die prozesshafte und partizipative Auseinandersetzung, Bewahrung und Transformation des Bestands.


Text von Luisa Fiedler.