Januar / Februar 2026
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Case Study Parkhaus Berlin-Westend
Das Potenzial obsolet werdender automobiler Infrastrukturen für die nach innen gerichtete Nachverdichtung urbaner Räume
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Master
24.09.2025
FG Entwerfen und ökonomisches Bauen
Wohnbauten
ArchiCAD, Photoshop
Veränderungen in der Mobilität, ausgelöst durch den Klimawandel, führen zu Obsoleszenzen im städtischen Raum. Mit dem Rückgang des PKW-Verkehrs, vor allem in Innenstädten, verlieren Gebäudetypen wie Parkhäuser ihre Funktion. Die Umnutzung solcher Infrastrukturen bietet die Chance, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und bestehende Strukturen weiterzunutzen, um Abriss zu vermeiden.
Am Beispiel des Parkhauses Berlin-Westend wird gezeigt, wie Parkhäuser in Wohngebäude transformiert werden können. Ziel ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in zentraler Lage bei gleichzeitiger Weiterverwendung vorhandener Bausubstanz.
Das aktivierte Erdgeschoss bietet mit Café und Yogastudio einen Mehrwert für die Nachbarschaft und fungiert als Treffpunkt für Anwohner*innen. Drei Stellplätze bleiben für mobilitätseingeschränkte Personen erhalten.
Im 1. Obergeschoss wird eine Zwischendecke entfernt, um eine großzügige Raumhöhe über zwei Ebenen zu schaffen. Im hinteren Teil entstehen anstelle von Autostellplätzen sichere Fahrradabstellräume, wodurch eine nachhaltige Mobilitätsform gefördert wird. Das erste Wohngeschoss befindet sich im 2. Obergeschoss.
Hier entsteht im vorderen Gebäudeteil eine Wohngruppe mit acht gleichwertigen Zimmern. Die privaten Bereiche liegen straßenseitig, die großzügigen Gemeinschaftszonen hofseitig entlang der Laubengänge. Diese bieten flexible Nutzungen und fördern das Zusammenleben. Zentral angeordnete Sanitärkerne mit angrenzenden Küchenzeilen optimieren die Grundrisse.
Die Materialität bleibt roh, aber hochwertig: gereinigter Sichtbeton trifft auf CLT-Holzwände mit natürlicher Oberfläche, die ein warmes Raumklima erzeugen. Eingefärbtes Linoleum bringt Farbe und Weichheit in die Wohnungen.
Im 3. Obergeschoss befinden sich 2-3-Zimmer-Wohnungen für unterschiedliche Lebenskonstellationen. Schlafzimmer liegen straßenseitig und sind durch einfache Umbauten teil- oder zuschaltbar. Wohn- und Küchenbereiche sind zweiseitig belichtet und wirken dadurch offen und hell - ein Ausgleich zu den geringen Deckenhöhen.
Im 6. Obergeschoss befindet sich die gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse oberhalb des Studierendenwohnens. Sie bietet Raum für Begegnung und Aktivitäten. In der Aufstockung des vorderen Gebäudeteils entstehen 2?3-Zimmer-Wohnungen in ökologischer Holzbauweise mit tragenden Massivholzwänden entlang der Bestandsachsen. Wintergärten an der Hoffassade sorgen für Licht und schaffen Eingangsbereiche zu den Küchen.
Die Fassade wurde mit Fokus auf Lichtdurchlässigkeit entwickelt. Vorgelagerte, durchlaufende Stahlbalkone sind mit einem feinen Stahlnetz überspannt, das bodentiefe Fenster und den Austritt ins Freie ermöglicht. Die Balkone können als Pflanzflächen genutzt werden. Im Erdgeschoss öffnet sich das Gebäude durch eine Glasfassade zum öffentlichen Raum.
Text von Charlotte Falk