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Januar / Februar 2026

Technische Universität Braunschweig

Plattenbau reloaded!

Zukunftsperspektiven zwischen Erhalt, Umbau und Weiterbau

von Hong Anh Nguyen

Hochschule:

Technische Universität Braunschweig

Abschluss:

Master

Präsentation:

25.09.2025

Lehrstuhl:

Institut für Entwerfen und Baugestaltung, Prof. Dan Schürch

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Archicad, Rhino, Vray for Rhino, Photoshop, Indesign

Plattenbauten prägen bis heute das Erscheinungsbild vieler deutscher Städte. Sie entstanden nach dem 2. Weltkrieg im Rahmen eines standardisierten Baukastensystems zur schnellen & effizienten Schaffung von Wohnraum. Großwohnsiedlungen wie Berlin-Marzahn sind bis heute prägende Zeugnisse dieser Bauweise.

Die standardisierte Konstruktion der Platte ist jedoch häufig von Monotonie & Anonymität geprägt, bietet nur begrenzte Möglichkeiten zur Individualisierung. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an Wohnraum deutlich verändert. Während viele Plattenbauten saniert & aufgewertet wurden, kam es insbesondere in Städten mit rückläufiger Bevölkerungsentwicklung, etwa in Stendal, infolge des demografischen Wandels zu zunehmendem Leerstand.


Umfragen zeigen, dass über 64% der Bevölkerung ein Einfamilienhaus wünscht. Ausschlaggebend sind vor allem der Wunsch nach einem eigenen Garten, höherer Privatsphäre & größerer Selbstbestimmung. Demgegenüber stehen jedoch erhebliche städtebauliche & ökologische Nachteile. Typische Einfamilienhausgebiete gehen mit hohem Flächenverbrauch, großem Anteil an Verkehrsflächen sowie privat genutzten, häufig nur gering beanspruchten Grünflächen einher.

Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit, inwiefern sich Qualitäten des Einfamilienhauses mit den räumlichen und strukturellen Vorteilen des Mehrfamilienhauses verbinden lassen. Ziel ist die Entwicklung einer Wohnform, die individuelle Freiräume, Privatheit & Selbstbestimmung ermöglicht, zugleich aber ressourcenschonend mit bestehender Bausubstanz umgeht.

Der Entwurf basiert auf dem Plattenbautyp WBS 70 & nutzt dessen standardisierte Konstruktion als Grundlage für einen prototypischen Umbau- & Erweiterungsansatz. Das Projekt gliedert sich in die Bereiche Bestand, Neubau & gemeinschaftlichen Außenraum. Im Bestandsbau werden Wohneinheiten zusammengefasst, gezielte Durchbrüche vorgenommen & die Grundrisse mittels Holzrahmenkonstruktionen neu organisiert. Die bestehende Gebäudestruktur wird durch Einschnitte & neue Eingangssituationen räumlich neu gefasst. Bestehende Treppenhäuser werden in die interne Erschließung der Wohneinheiten integriert & durch ergänzende Treppenelemente erweitert. Der Dachbereich wird umgestaltet & übernimmt eine gliedernde sowie identitätsstiftende Funktion.

Der Neubau ergänzt den Bestand durch eine filigrane, modulare Struktur mit nachbarschaftsbezogenen Nutzungen im Erdgeschoss & gemeinschaftlich organisierten, privaten Gartenbereichen in den oberen Geschossen. Gemeinsam mit dem Bestandsgebäude entsteht ein zentraler Nachbarschaftshof als gemeinschaftlicher Mittelpunkt. Die Wohnungen sind als zwei- bis dreigeschossige, teilweise durchgesteckte Maisonetten konzipiert & über eigene private Brücken und Veranden erschlossen. Die Bestandsfassade aus Stahlbeton-Sandwich-Elementen wird nachgedämmt & durch modulare Fassadenelemente ergänzt, die eine differenzierte & anpassbare Gestaltung ermöglichen.


Text von Hong Anh Nguyen.