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Januar / Februar 2026

Technische Universität Braunschweig

Gemeinsam wachsen

Solidarisches Wohnen für FLINTA* mit Kindern

von Pia Brüchner-Hüttemann

Hochschule:

Technische Universität Braunschweig

Abschluss:

Master

Präsentation:

23.09.2025

Lehrstuhl:

IEB - Prof. Dan Schürch

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

ArchiCAD, Enscape, Rhino, Photoshop

Alleinerziehende FLINTA* stehen vor besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen: Sie tragen allein Verantwortung für Kinder, müssen finanzielle Sicherheit schaffen, berufliche Perspektiven verfolgen und emotionale Stabilität gewährleisten - häufig ohne tragfähige soziale Netze. Solidarische Gemeinschaften können hier entlasten, indem Verantwortung, Ressourcen und Alltag geteilt werden. So lassen sich Isolation und Überforderung reduzieren und Teilhabe, Selbstbestimmung und Entwicklung fördern.


Der Entwurf am Kesselbrink in Bielefeld setzt genau hier an. Ziel ist ein Wohnort für alleinerziehende weiblich gelesene Personen, der auf Unterstützung, Austausch und Kooperation basiert. Grundlage ist ein flexibles Wohnmodell, das sich am Lebenszyklus der Kinder orientiert und sich ihren jeweiligen Bedürfnissen anpasst.

Für Mütter mit Babys und Kleinkindern entstehen an der Ostseite des Areals Clusterwohnungen im Neubauturm. Mehrere Einzimmerapartments bieten Rückzug und fördern eine enge Mutter-Kind-Bindung bei gleichzeitiger Reduktion äußerer Belastungen. Ab etwa drei Jahren ziehen Mutter und Kind in Wohngemeinschaften im Bestandsgebäude an der Westseite, in denen jeweils fünf Mütter mit ihren Kindern zusammenleben. Hier stehen Austausch, gemeinsames Kochen, Spielen und gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt. Mit Eintritt ins Jugendalter ziehen die Familien in kleinere, privatere Apartments in den aufgestockten Garagen an der Nordseite. Diese Wohnform bietet Jugendlichen mehr Raum für Selbstständigkeit, ohne den Anschluss an die Gemeinschaft zu verlieren.

Bei Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters werden individuelle Lösungen gefunden, da alle Wohnformen flexibel angelegt sind. Jede Wohnform verfügt zusätzlich über Gemeinschaftsflächen mit Küche, Lern- und Arbeitsbereichen sowie Räumen für Beratung oder offizielle Gespräche.
Ergänzt wird das Wohnangebot durch eine Kita, eine Sporthalle, einen Jugendtreff, ein Café, einen Waschsalon und Werkstätten für Reparatur und kreative Produktion. Eine nachhaltige Energieversorgung durch Photovoltaik und Wärmepumpe stärkt die Unabhängigkeit des Areals.

Der zentrale Gedanke des Projekts ist "Hilfe zur Selbsthilfe": ein Ort, an dem FLINTA* solidarisch zusammenleben, sich gegenseitig stärken und gemeinsam Strategien gegen Diskriminierung entwickeln - getragen von Eigeninitiative und kollektiver Verantwortung.


Text von Pia Brüchner-Hüttemann.