Platz 2
Nächstes Projekt 03/20  

Januar / Februar 2026

Technische Hochschule Köln

DE/CONSTRUCT BRUTALISM

Dokumentation und Definition der Werte eines brutalistischen Bürogebäudes der 1970er Jahre

von Léon Bischoff

Hochschule:

Technische Hochschule Köln

Abschluss:

Master

Präsentation:

30.07.2025

Lehrstuhl:

Architekturgeschichte und Entwerfen, Prof. Dr.-Ing. Daniel Lohmann / Baukreisel & RWTH Aachen, Conrad Risch M.Sc.

Rubrik:

Gewerbebauten

Software:

Rhino, Adobe CC, Vectorworks

Durch das Bauwesen entstehen ca. 38% der weltweiten Treibhausgasemissionen. Besonders der Stahl und Beton verursachen durch die energieintensive Herstellung große Mengen an CO2, etwa 5,7% der weltweiten Emissionen. Mit Blick auf Klimakrise und Ressourcenknappheit stellt sich deshalb die Frage, wie wir mit den gewaltigen Mengen an Baumaterial umgehen, die beim Rückbau von Gebäuden freigesetzt werden. Statt diese Materialien zu entsorgen oder minderwertig zu recyceln, bietet ihre direkte Wiederverwendung enormes Potenzial.


Genau hier setzt meine Masterarbeit an. Am Beispiel des vor dem Rückbau stehenden brutalistisch/strukturalistischen Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke Trier, erbaut in den 1970er Jahren vom Architekten und Professoren Günter Kleinjohann, habe ich untersucht, wie die Dokumentation, Bewertung und Wiederverwendung von Bauteilen aussehen kann. Errichtet ist es fast vollständig aus Stahlbetonfertigbauteilen.

Der Prozess gliederte sich in mehrere Phasen. Zunächst wurde durch eine umfassende Bauaufnahme, bestehend aus mehreren Ortsbegehungen, präzisen Vermessungen, Archivarbeit und allgemein Dokumentationen, eine verlässliche Grundlage geschaffen. Aus diesen Daten entstand eine hybride Form der Dokumentation: ein "As-build-Gebäudemodell" in Form eines 3D-Modells, das jedes Betonfertigteil maßgenau abbildet, sowie ein digitaler Bauteilkatalog mit technischen Daten, Zustandsbeschreibungen und QR-Codes zur einfachen Weitergabe der Daten.

Darauf aufbauend erfolgte die Auswahl und Bewertung von acht Bauteiltypen, die fast die Hälfte des gesamten verbauten Stahlbetons ausmachen. Kriterien waren dabei nicht nur die Menge an gebundener grauer Energie, sondern auch die baukulturelle Bedeutung, der Zustand und die Fügungstechnik. Anschließend entwickelte ich Rückbaukonzepte, die eine selektive Demontage dieser Elemente ermöglichen können. Damit konnte gezeigt werden, dass allein durch die Wiederverwendung konstruktiver Elemente über 1,3 Millionen Kilogramm CO2 eingespart werden könnten.

Abschließend entstanden experimentelle Entwurfsstudien, die das Potenzial der Bauteile in neuen Kontexten veranschaulichen - von Wohngebäuden verschiedener Art bis hin zu Möbeln. Ziel war nicht, fertige Projekte vorzulegen, sondern Möglichkeiten sichtbar zu machen, Bilder zu schaffen und dadurch zur Diskussion anzuregen.

Die Arbeit versteht den Rückbau deshalb nicht nur als Ende, sondern auch als Ressource: als Chance, Baukultur - wenn es zum Rückbau kommen muss - zu bewahren, Materialien im Kreislauf zu halten und gestalterische Potenziale freizulegen.


Text von Léon Bischoff.