Januar / Februar 2026
Technische Universität München
Zais Acht
Zukunftsfähige Transformation eines Einsiedlerhofs
Technische Universität München
Master
08.10.2025
Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten, Prof. Uta Graff
Bauen im Bestand
Vectorworks, Photoshop, Illustrator, Pointcab, Leica Cyclone Field 360, Leica CycloneREGISTER 360 PLUS
Der Dreiseithof "Zais 8" im Landkreis Mühldorf, steht exemplarisch für viele verlassene Bauernhöfe in Deutschland: Seit Jahren unbewohnt, befinden sich die Gebäude in marodem Zustand; die Wirtschaftsgebäude sind ungenutzt.
Das Projekt beschäftigt sich mit der Transformation dieses Dreiseithofs und entwickelt eine zukunftsfähige Vision für seine mögliche Neuausrichtung.
KREISLAUFPRINZIP
Bauernhöfe vereinen seit jeher Landwirtschaft, Wohnen und Arbeiten. Sie sind lebendige Organismen aus ineinandergreifenden Kreisläufen: Nahrungsmittelproduktion, lokaler Ressourcenkreislauf und soziale Interaktionen beim generationsübergreifenden Wohnen. Auf dem Hof Zais 8 sind diese Kreisläufe zum Erliegen gekommen. Diese Arbeit reaktiviert sie durch drei zentrale Eingriffe:
Erhalt und Umnutzung der bestehenden Wirtschaftsgebäude
Neuerrichtung des Wohnhauses und Neubau eines Wohnturms
Landschaftsterrassen als gemeinschaftliche und produktive Freiräume
ARCHITEKTONISCHE STRATEGIE
Die charakteristische Typologie des Dreiseithofs bleibt erhalten und wird räumlich präzisiert. Das bestehende Wohnhaus wird zurückgebaut und leicht nach innen versetzt neu errichtet, wodurch private Vorgärten und klarere Raumkanten entstehen. Stall und Scheune bleiben als funktionale Strukturen mit ihrer charakteristischen Holzarchitektur bestehen.
Ein ergänzender Wohnturm ersetzt die ehemalige Remise im ansteigenden Gelände. Seine leichte Drehung reagiert auf die Topografie und markiert einen vertikalen Akzent als bewussten Gegenpol zum historischen Ensemble.
Eine neue Erschließung und Parkplätze hinter der Scheune entlasten den Innenhof verkehrstechnisch.
Gestufte Landschaftsplattformen verbinden Hof und Turm - Orte des Austauschs, des Gärtnerns und der Erholung entstehen und der Innenhof wird zum sozialen Mittelpunkt.
NACHHALTIGKEIT DURCH LOKALE RESSOURCEN
Die architektonischen Eingriffe erfolgen zum Großteil mit hofeigenen, kreislauffähigen Materialien:
Das Wohnhaus wird in tragendem Lehmstein ausgeführt, der Wohnturm in Stampflehmbauweise - beide nutzen den am Hof vorhandenen Boden. Für die Decken wird Holz aus dem eigenen Mischwald eingesetzt.
MEHRGENERATIONENWOHNEN UND SOZIALE NACHHALTIGKEIT
Sieben Wohneinheiten schaffen ein heterogenes Angebot für Junge, Alte, Paare und Singles. Zentral angeordnete Schaltzimmer ermöglichen flexible Anpassungen. Gemeinschaftsräume im Turm und ein Aussichtspunkt fördern soziale Interaktionen.
EIN ÜBERTRAGBARES MODELL
Diese Arbeit verbindet ökologische, soziale, ökonomische und kulturelle Nachhaltigkeit: Lokale Ressourcen, Erhalt der Bausubstanz und die Weiterentwicklung der Hofstruktur führen zu einer zeitgemäßen Form des gemeinschaftlichen, ressourcenschonenden Lebens im ländlichen Raum. Der Dreiseithof wird wieder zu einem funktionierenden Organismus - als übertragbares Modell für eine zukunftsfähige, kreislauforientierte Baukultur.
Text von Katrin Schneyer.