Januar / Februar 2026
Berliner Hochschule für Technik
KODEMI
Umnutzung der ehemaligen Mischanlage Zeche Zollverein in eine kulturelle Begegnungsstätte für koreanische Gastarbeiter:innen im Ruhrgebiet
Berliner Hochschule für Technik
Master
09.12.2025
Prof. Ayse Hicsasmaz-Heitele, Prof. Eva Maria Froschauer
Industriebauten
Archicad, Twinmotion, Adobe InDesign/Illustrator/Photoshop
Während unseres Auslandssemesters in Südkorea setzten wir uns intensiv mit der Kultur und Geschichte des Landes auseinander. Diese Erfahrungen nahmen wir mit nach Deutschland und stießen dabei auf eine hierzulande kaum beachtete Geschichte, die der südkoreanischen Gastarbeiter:innen im Ruhrgebiet der 60er Jahre. Obwohl sie einen bedeutenden Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der Bundesrepublik leisteten, blieben sie unsichtbar im deutschen Erinnerungsdiskurs. Ausgangspunkt unserer Masterthesis ist das Anwerbeabkommen zwischen Südkorea und der Bundesrepublik Deutschland von 1963. Es steht sinnbildlich für eine frühe Form globaler Arbeitsmigration und eine wenig bekannte internationale Zusammenarbeit.
Zwischen 1963 und 1977 kamen rund 8.000 koreanische Bergarbeiter sowie etwa 10.000 Krankenschwestern nach Deutschland. Für viele bedeutete die Arbeit im Ausland eine Chance, Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit im vom Koreakrieg gezeichneten Heimatland zu entkommen. Trotz fehlender Sprachkenntnisse und harter Arbeitsbedingungen nahmen sie diese Herausforderung auf sich getragen von der Hoffnung auf ein besseres Leben für ihre Familien.
Bis heute fehlt es den koreanischen Migrant:innen und ihren Nachkommen jedoch an einer symbolischen Verankerung und Wertschätzung in der deutschen Erinnerungskultur. Ihre Geschichten finden kaum Raum im öffentlichen Diskurs, es mangelt an Orten der Sichtbarkeit wie Gedenkstätten, Ausstellungen oder Bildungsangeboten. Diese Leerstelle verweist nicht nur auf ein historisches Versäumnis, sondern auch auf eine strukturelle Herausforderung im Selbstverständnis Deutschlands als Einwanderungsland.
Die Zeche Zollverein erschien uns als idealer Ort für unser Projekt. Als UNESCO-Welterbe verkörpert sie das industrielle Erbe des Ruhrgebiets und ist historisch eng mit dem Einsatz internationaler Arbeitskräfte verbunden. Gleichzeitig bietet sie als kulturelles Zentrum die nötige Reichweite, um Aufmerksamkeit zu schaffen und einen offenen Ort der Anerkennung, Begegnung und des Austauschs zu etablieren.
Das geplante Kulturzentrum verbindet Erinnerungsstätte und lebendigen Begegnungsraum. Es schafft Platz für Ausstellungen, koreanische Feste, Workshops und kulturelle Veranstaltungen und macht so Geschichte erfahrbar, während zugleich koreanische Kultur präsent und lebendig wird. Der industrielle Bestand der Zeche wird behutsam weiterverwendet, architektonische Strukturen bleiben erhalten und werden neuinterpretiert.
Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Partizipation der koreanischen Community bilden zentrale Leitlinien des Projekts. So entsteht ein Ort, der die industrielle Vergangenheit des Ruhrgebiets mit den Lebensgeschichten der koreanischen Gastarbeiter:innen verknüpft. Ein Raum des Lernens, der Wertschätzung und des interkulturellen Dialogs, der Vergangenheit und Zukunft in einem respektvollen Miteinander verbindet.
Text von Laura Bernholz und Carlotta Knossalla.